Ein Dummer wird zu einem Helden

05-07-2017 08:27:33 Autor:   Hannelore Wang Kategorien:   Legenden , Kultur , Videos

Durch Mitleid wissend, der reine Tor Bild via youtube.com

Seit der Uraufführung am 26. Juli 1882 bis heute, 2017, ist die Oper Parsifal schon 135 Jahre alt und erfreut sich hoher Besucherzahlen. Warum wohl ist die Lebenskraft von <<Parsifal >> so ewig und energetisch? Worin besteht die Anziehungskraft? Liegt die Antwort in den innewohnenden Werten oder sogar in der zum Ausdruck kommenden Bedeutung: Dummheit ist heldenhaft?

Viele alte Geschichten weisen uns darauf  hin: Das Einfachste könnte das Intelligenteste sein. Nun Parsifal erzählt keine alltäglichen Szenen. Es lohnt sich tiefgehender darüber nachzudenken. Der Titel und die Handlung, die auf dem Versroman  <<Parzifal >> von dem Dichter Wolfram von Eschenbach beruhen, erzählen über einen Charakter, der als ein "reiner Tor" auftritt. Richard Wagner tauschte beim Originalbegriff Parzifal den Buchstaben  "z" gegen "s" aus und schuf den persischen Namen "Parsifal", wobei die Wortsilben "fal " übersetzt rein und "parsi" Tor bedeutet. Mit der Eigenschaft reiner Tor im Herzen ist die Figur Parsivals im Werk angelegt. Ein reiner Tor heißt auch dummer Junge. Wie dumm ist er denn? 

Gefahren und Schwierigkeiten kennt er nicht, läuft vor ihnen nicht weg und weint auch nicht. Er weiß sogar nicht, wie er heißt und Angst ist ihm fremd. Ist er dann nicht rein? Ein reiner Junge? Wie rein ist er denn? Aber er weiß nicht mal, dass man nicht auf Schwäne schießt und erst nicht auf einen heiligen weisen Schwan. Bei so viel Unwissenheit und deshalb Dummheit ist er ein reiner Tor.

Als Parsifal hörte, dass seine Mutter gestorben sei, mußte er sogleich weinen. er weinte laut. Also Mitleid vermag er zu verspüren. Dummheit und Barmherzigkeit erzeugen beim Betrachter Sympathie und noch mehr Sympathie, wenn im passendem Augenblick - in dem Moment gab es keine Handlung, die Aufmerksamkeit des Publikums richtete sich auf die letzten Klänge der Gralsglocken - aufeinmal eine Stimme aus der Höhe sagt:

„Durch Mitleid wissend, der reine Tor“. 

Ist das nicht eine Prophezeiung?Nachdem der Jungkönig Amfortas gegen Klingsor in mehrfacherweise gescheitert war - den heiligen Speer an Klingsor verloren, dabei entsetzlich verletzt worden und daraufhin von tiefen Depressionen bis hin zu Todesabsichten gequält wurde - , tauchte wie ein Wunder ein Junge auf, der nach einer Prophezeiung genau auf den „durch Mitleid wissenden“ reinen  Tor passt und als solcher den Speer zurückgewinnen und damit Amfortas heilen könnte.

Bei der Gralsenthüllung lernte Parsifal den neuen König Amfortas, der stark verletzt war und den alten König Titurel, der im Grab lebte, kennen. Anders als die Anderen reagierte Parsival mit Trauer, wurde sehr unglücklich und stumm. Deutet sein Verhalten nicht auf ein sauberes, reines und wahrhaftiges Niveau hin? Er befand sich nicht auf der gleichen Stufe wie die der anderen. Die schmutzigen, unreinen Ebenen der anderen konnten nicht auf ihn abfärben, ihn auch nicht steuern noch kontrollieren.

Welche Bedeutung liegt nun in den Worten der Prophezeiung: „Durch Mitleid wissend, der reine Tor“? Es ist schwer zu erklären, da die reinen und guten Tugenden weitreichend in der Gesellschaft untergegangen sind. Und ich denke an einige persönliche Erlebnisse: Eine Frau, die alleine Flyer betreffend der Verfolgung von guten und unschuldigen Menschen verteilt, ist auch ein mitfühlender Mensch, der das Unglück der Verfolgten erkennt und sich für Abhilfe der Verfolgung einsetzt. Es geht um die Studenten, Pekinger Einwohner und überall in China, an der Zahl mehr als 100 Millionen Menschen, die sich nach den Prinzipien der Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht kultivieren. Sie werden auf brutale Weise von der Regierung zu Unrecht verfolgt. Sicher fragen sich die Passanten: Warum verteilt diese Frau, ein Mitglied des Vereins für Renaissance der traditionellen Kultur, Kunst & Tugend, überall in den großen Städten Prospekte über die Verfolgung in China? Sie ist alleine unterwegs und sucht Plätze, auf denen viele Einwohner und Fußgänger zu finden sind. Auch in der U-Bahn in den Stoßzeiten, zur Spitzenzeit des Feierabends und bei den Verkehrsknotenpunkten ist sie stets bemüht, die Leute aufzuklären. Warum tut sie das vor Millionen von Menschen? Sie kennt auch keine Angst, ist weder egoistisch, noch strebt sie nach Reichtum oder Ruhm. Sie setzt sich aus Mitleid für Menschen in großer Not ein, auch wenn diese so weit weg - am anderen Ende der Welt - sind. Ihre Gesinnung ist rein und sauber. Sie bemüht sich die traditionelle Kultur, Kunst und Tugend zum Aufleben zu bringen, damit so viele Menschen wie möglich in eine schöne Zukunft eintreten können.  

Sie hat keine Angst vor einer Masse von Menschen. Warum auch? Sie will Gutes für die Anderen. Dagegen haben die Regierungen und die Diktatoren große Bedenken vor Menschenansammlungen und deren angeblichen Ausschreitungen. Es wurden etliche Kontroll- und Überwachungs-Gesetze zur sogenannten Regelung der Versammlungen von Menschen erlassen. Welche Gründe liegen hauptsächlich bei den befürchteten Ausschreitungen vor? Haben die Regierungen und Diktatoren schlechtes Gewissen und Angst vor Vergeltung? Das Gewissen haben sie bestimmt abgeschafft, denn sonst würden sie nicht hemmungslos ihre Untaten weiter fortsetzen. Die Schulden der Regierungen gegenüber dem Volk sind groß. Und ihre Angst wächst mit ihren Lügen, Verbrechen und Machtausbau. 

Ein chinesisches Sprichwort besagt: "Habe ein reines Gewissen, ansonsten klopft die Überraschung in der Mitternacht an die Tür." Zum Beispiel hat ein Diktator grosse Angst, wenn schon fünf Menschen ruhig im Park spirituelle Übungen machen und sich kultivieren. Zusammenfassend lässt sich die These aufstellen, dass schlechte Personen grosse Angst vor guten Menschen haben. Verbrecher haben Angst vor unschuldigen Menschen.

Also Unschuld und Einfachheit gewinnen an Gewicht. So verhält es sich auch im Arbeitsleben: Der Chef gibt einem nicht zu komplizierten Angestellten den Vorzug im Vergleich zu einem gerissenen Angestellten. Auch die Qualität der Loyalität erfährt einen hohen Stellenwert für den Chef. Der Angestellte soll sich nur auf die Arbeit konzentrieren, und auch dann, wenn der Chef nicht da ist. Deshalb werden die Tugenden Reinheit und Ehrlichkeit sehr geschätzt. Zeigt sich der Lehrling dagegen ironisch, raffiniert und zu kompliziert, dann wird von einer niedrigen Bereitschaft zum Fleiß ausgegangen, woraufhin er von den Firmen abgelehnt wird.

Es gibt so einen Spruch:

 Tatsächlich sucht nicht der Lehrling den Meister, sondern der Meister sucht den Lehrling.

Erst wenn der Meister feststellt, dass der Junge für die Zwecke geeignet ist, wählt er ihn zum Lehrling. So gilt dieses Prinzip auch hier: Bemerkt der Meister bei dem Jungen die sauberen Gesinnungen und die hohen Tugenden, so entscheidet er sich für ihn, ansonsten hätte Parsifal nicht den Zugang zur Gralsburg erhalten.

Ein ähnliches Prinzip wird ebenso vom Himmel angewandt: Parsifal, der einfach und rein ist, wird vom Himmel bestimmt, die Welt zu regieren. Seine Moral erreicht schon die hohen Anforderungen. Viele Menschen trachten nach Ruhm und Reichtum und auf dem Weg dahin, verüben sie viele Untaten, wenn nicht sogar sehr große. Da Parsival sich nicht von Ruhm und Reichtum beeindrucken läßt, wird er auch nicht davon korrumpiert. Also bleibt er sauber und rein und wird sein Reichtum mit anderen teilen. Wenn die Basis des Menschen Selbstlosigkeit ist, dann wird dieser Mensch selbst mit Reichtum und Erfolg weiterhin Mitleid für die anderen empfinden können.  

Wie viele Politiker denken gierig an Machtausbau, scheffeln Vermögen und Ruhm und verstecken diese Gier mit einer harmlosen Fassade. Es ist das prägnante ICH, das alle möglichen Vorteile unter vorgeschobenen Vorwänden an sich zieht und das ganze Handeln selbstorientiert steuert. Am Ende kommt es zur weltweiten Katastrophe.

Das Böse verdient Böses. Das Gute wird mit Gutem belohnt. 


Diesen Grundsatz braucht man nicht zu glauben, aber viele historische Ereignisse bestätigen ihn und die Prophezeihungen weisen auch darauf hin. Übrigens wissen wir, dass ein Dummer glücklich lebt. Er hat keine Angst, sein Vertrauen in die Welt und die Menschen ist gesund, er macht sich keine Sorgen und wird von anderen herzlich willkommen geheißen. Verändern die guten Tugenden und Wohltaten nicht das Leben? Ja, Lebensqualität macht sich bemerkbar und unterscheidet sich deutlich von der Lebensweise eines Menschen, der viel Schlechtes verübt hat.  

Parsifal ist Geist. Parsifal ist Symbol, der von allen guten und freundlichen Menschen beliebt ist. Parsifal wurde auch von der Gottheit den Menschen geschenkt, der als gutes Beispiel für die Menschheit dienen soll. Manche Menschen schauen schon automatisch wie vor einem geistigen Spiegel mit der Gesinnung von Parsifal nach Innen, beichten die Fehler und versuchen diese zu korrigieren und sich zu bessern. Die jährliche Vorstellung der Oper Parsifal eignet sich als Anleitung für gute Taten und läßt die orignelle Ur-Natur nicht vergessen. 

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