„Unsere Unannehmlichkeit dauerte nur drei Stunden.“

09-05-2017 07:05:58 Autor:   Maria Betke Quelle:   mariabetke@gmail.com Kategorien:   Geschichte , Lifestyle , Gesellschaft

(Bild: https://pixabay.com/en/bus-train-subway-inside-seats-731317/ , https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en)

Eines Tages hatten mein Mann und ich das Glück, ein Last-Minute-Busticket zu bekommen, um damit meine Schwiegereltern in Taipei besuchen zu können. Als wir in den Bus stiegen und zu unserem Sitz gingen, sahen wir eine Dame, die einen unserer Sitze besetzte. Mein Mann gab mir ein Zeichen, sich neben ihr zu setzen, aber er bat die Dame nicht darum, den Sitzplatz frei zu machen. Bei näherer Betrachtung bemerkte ich, dass ihr rechtes Bein in einem Stützapparat steckte. So erkannte ich den Grund, weshalb mein Mann sie wegen des Platzes nicht angesprochen hatte.

Die ganze Fahrt von Chiayi nach Taipei stand er. Während der Reise erwähnte mein Mann gegenüber der Dame nicht, dass sie seinen Sitz besetzte. Als wir den Bus verließen, fühlte ich mich unpäßlich und sagte ihm: „Jemandem den Vorzug zu geben ist eine gute Tat, aber von Chiayi nach Taipei ist es eine lange Strecke. Du hättest sie bitten können, den Sitz zurückzugeben, damit Du Dich eine Weile ausruhen könntest.“ Mein Mann antwortete: „Die Frau hat diese Unannehmlichkeit für das ganze Leben. Unsere Unannehmlichkeit dauerte nur drei Stunden.“  

Als ich diese Worte hörte, war ich berührt. Mein freundlicher Ehemann, der leise anderen hilft, gibt mir das Gefühl, dass die Welt ein vornehmer Ort ist.

 

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