Das Geheimnis der Longyou-Grotten

05-01-2017 04:07:27 Autor:   Vision Times Kategorien:   China , Entdeckungen

Die Longyou-Grotten, ein gigantisches System unter der Erde. (Bild: tripadvisor)

Liegt hier das neunte Weltwunder versteckt? In der Provinz Zhejing im Süden Chinas, nahe dem Dorf Shiyanbei, liegt unter der Erde ein gigantisches Grottensystem, wie es seinesgleichen sucht. In China nennt man die einzigartige Untergrundwelt auch „das neunte Weltwunder der Antike“.

Die Longyou-Grotten sind mindestens 2.000 Jahre alt. Sie gehören zu den größten Untergrund-Aushöhlungen der Antike. Wissenschaftler aus der ganzen Welt konnten nicht klären, wer sie erschaffen hat und warum. Dabei ist das verrückteste an dem Grottensystem noch nicht einmal die immense Größe, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich abolut keine Aufzeichnungen zur Entstehung finden lassen. Hier also das, was wir wissen:

Die Entdeckung

Lange sind die Grotten eigentlich noch nicht bekannt. Eine Dorfbewohnerin, die „Oma Wu“ genannt wird, sowie drei weitere unbekannte Dorfbewohner, entdeckten die Grotten am 9. Juni 1992. „Zufällig“ fanden sie die erste Grotte des Grottensystems am Phönix Hügel. Sie war gefüllt mit Wasser; die Dorfbewohner benutzten Pumpen, um die Grotte frei zu legen.

Nach 17 Tagen ununterbrochenen Pumpens waren die Longyou-Grotten endlich begehbar. Oma Wu war die erste Person, die die mysteriösen Grotten nach einer langen Zeit betrat. Was sie sah, begeisterte sie, doch warf es gleichzeitig bei ihr und den anderen, die nach ihr kamen, Fragen auf. Denn was ist schon über die Grotten bekannt?

Einfach atemberaubend

Die Grotten sind komplett in das Gestein gehauen. In den Jahrtausenden mussten sie viele Fluten und alle anderen erdenklichen Katastrophen miterleben. Doch anders als Malereien, Ritzungen u.ä. im ungeschützten Gestein im Gebirge, die einfach verwittern, blieben die Formen, Muster und Markierungen in den Grotten unbeschädigt, so als hätte sie erst gestern jemand erschaffen.

 

Die Wände und Decke der Grotten werden von Säulen gestützt. (Bild: tripadvisor)

 

Wenn man die Grotten betritt, fallen sofort die mächtigen Steinsäulen auf, die gleichmäßig verteilt sind und Wände und Decke stützen. Von nahem sieht man, dass parallele Linien eingemeißelt sind, die wie Verzierungen wirken. An der Wand sind Bilder eingemeißelt – ein Pferd, ein Fisch und ein Vogel.

 

Ein Pferd, ein Fisch und ein Vogel sind in die Wand gehauen. (Bild: tripadvisor)

 

Nachdem man etwa 30 Meter in die Tiefe gestiegen ist, erreicht man verschiedene steinerne Räume, Brücken, Gassen und Wasserbecken. Die „Große Halle“, die Hauptgrotte des Systems, ist fast 2.000 Quadratmeter groß und erreicht am höchsten Punkt eine Höhe von fast 30 Metern.

 

In einer Tiefe von etwa 30 Metern erreicht man die steinernen Räume, Brücken, Gassen und Tümpel. (Bild: Top china travel)

 

 

Die Grotten wurden in Schluffstein, ein gleichmäßiges, mittelhartes Gestein, eingehauen. Bisher wurden 36 Grotten entdeckt, die dem System angehören. Ihre Merkmale gleichen sich. Das Grottensystem umfasst einen Bereich von über 30.100 Quadratmetern.

Die Longyou-Grotten wurden mit einer großen Kunstfertigkeit errichtet. Sie sind riesengroß und monumental, während das Design filigran und die Konstruktion anspruchsvoll ist. Alle Grotten, die bislang entdeckt wurden, haben ihre bauliche Stabilität beibehalten, und das seit mehr als 2.000 Jahren.

Wie wurden sie gebaut?

Das verhält sich wie mit den Pyramiden: Es ist ein Rätsel. Das einzige was wir haben, sind Schätzungen zum Arbeitsaufwand – und die sind beindruckend.

Für den Bau mussten schätzungsweise 3.250.000 Quadratmeter Gestein abgetragen werden. Merkwürdig ist: Es lässt sich nirgendwo archäologisch nachweisen, wo diese Masse an Gestein und Schutt abgeblieben sind.

 

(Bild: Top china travel)

 

Wissenschaftler vermuten, dass 1.000 Menschen sechs Jahre lang Tag und Nacht arbeiten müssten, um diese Menge an Gestein abzutragen. Dabei wird von harter Arbeit ausgegangen. Nicht inbegriffen ist die Arbeit an den Skulpturen, den Wänden und weiteren Verzierungen, denn es wurde überall offensichtlich mit unglaublicher Sorgfalt vorgegangen.

 

Jede freie Oberfläche der Grotten ist mit solchen parallelen Linien versehen. (Bild: tripadvisor)

 

Man weiß heute nicht, welche Werkzeuge dafür benutzt wurden. In der ganzen Umgebung sind keine Überbleibsel von Werkzeugen gefunden worden. Damit bleibt auch unklar, wie die Menschen damals eine derartige Symmetrie, Präzision und Ähnlichkeit zwischen den verschiedenen Grotten erreichen konnten.

Jede freie Oberfläche in den Grotten ist mit parallelen Linien versehen. Es muss unglaubliche Mühe gekostet haben, diese einzuarbeiten.

Das merkwürdige Fehlen von Fischen

Im südlichen China haben die meisten Dörfer sehr tiefe Teiche. Sie werden „bodenlose Teiche“ genannt und sind voller Fische. Als Oma Wu und die drei anderen Dorfbewohner die Grotte zum ersten mal sahen, war sie mit Wasser vollgelaufen. Wahrscheinlich stand das Wasser zu dem Zeitpunkt schon sehr lange in den Grotten.

Als sie die Grotte jedoch auspumpten (sie wollten dabei auch sicher sein, dass das nicht einfach ein bodenloser Teich, sondern ein von Menschen errichtetes Bauwerk ist), da kam kein einziger Fisch zum Vorschein, ebenso wenig wie irgendein anderes Zeichen von Leben.

Wer hat sie gebaut?

Kurze Antwort – das weiß keiner. Klar scheint aber zu sein, dass nur der Kaiser ein so großes Projekt organisiert haben konnte. Für normale Dorfbewohner scheint das logistisch vollkommen unmachbar, nur der Kaiser besaß die Möglichkeit, so viele Arbeiter zu organisieren.

 

Bild: Ancient Origins

 

Da man jedoch nicht weiß, von welchem Entstehungszeitraum wir exakt sprechen, lässt sich auch nicht feststellen, welcher Kaiser das Großprojekt gestartet haben könnte. Erstaunlich ist nämlich: Trotz der enormen Größe der Grotten und der Mühe, die in den Bau gesteckt wurde, konnten niemals Aufzeichnungen darüber gefunden werden. Das ist vor allem deshalb merkwürdig, weil die antiken Chinesen eigentlich bekannt für ihre penible Buchführung sind.

Was war also der Zweck der Grotten?

Nach vielen Untersuchungen gibt es mittlerweile eine Vielzahl Erklärungsversuche verschiedener Wissenschaftler zur Nutzung der Longyou-Grotten. Wirklich überzeugend ist jedoch keine.

 

Waren das hier Grabstätten, Lagerhallen oder Kaisersäle? (Bild: Ancient Origins)

 

Archäologen haben verschiedene Theorien aufgestellt: Waren die Grotten einmal Grabstätten, Lagerhallen oder Kaisersäle? Objekte, die eine der Theorien stützen würden, wurden nie entdeckt: Keine Beerdigungsrelikte, kein Sarg, noch nicht einmal Artefakte. Außer dem Bauwerk selbst gibt es keine Zeichen für menschliches Leben. Das spricht auch gegen die Theorie vom Kaiserpalast.

Oder wurden die Grotten vielleicht benutzt, um irgendwelche Mineralien oder andere Ressourcen abzubauen? Wofür dann aber die Kunstwerke an den Wänden? Spuren, dass Bergbau betrieben wurde, konnten ebenfalls nicht gefunden werden.

 

(Bild: Ancient Origins)

 

Vielleicht wurden ja auch die Armeen des Kaisers in den Grotten versteckt? Früher versteckten die Kaiser gerne ihre Truppen, um Kriegsvorbereitungen möglichst geheim zu halten. Allerdings hätte man die Grotten niemals in kurzer Zeit oder gar spontan bauen können; zugleich müssten Spuren hinterlassen worden sein, wenn dort einmal viele Menschen untergebracht gewesen wären.

 

 

Und nun?

Trotz jahrelanger Forschung: Die Longyou-Grotten wollen ihr Geheimnis nicht verraten. Der Ursprung der Grotten bleibt also vorerst verborgen. Touristen, die die Reise in das entlegene Dorf auf sich nehmen wollen, können sich die Grotten anschauen. Ein Tourist äußerte nach einer Besichtigung Folgendes:

Heute sind wir mit einer großen Gruppe zu den Longyou-Grotten gefahren. Am Anfang der Tour wird ein kurzer Film gezeigt, was wirklich hilfreich ist. Dann geht es ab in die Tiefe. Man sollte unbedingt bequemes, festes Schuhwerk tragen. Es gibt mehrere Treppen und manchmal ist es schon ziemlich anstrengend zu klettern. Es lohnt sich aber: Die Grotten sind wunderschön.

 

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