Die Frau, die die Existenz der Schwarzen Materie bestätigte, ist mit 88 Jahren gestorben

30-12-2016 03:58:57 Autor:   David Clapp Kategorien:   Weltall , Nachrichten

Dr. Vera Rubin, die Frau, die die ersten empirischen Beweise für dunkle Materie fand, starb im Alter von 88 Jahren. (Bild: Carnegie Insitute of Washington)

Dr. Vera Rubin, die den Beweis für die Existenz dunkler Materie erbrachte und damit zur Heldin der Astrophysik wurde, verstarb am 25. Dezember 2016 im Alter von 88 Jahren. 1974 hatte Rubin entdeckt, dass die Bewegung der Sterne am Rand einer Galaxie schneller ist als eigentlich erwartet. Nach damals aktuellen Gravitationsberechnungen, die nur von sichtbarer Materie ausgingen, hätten die äußeren Sterne langsamer sein müssen

Das ergab ein Problem: Es passte nach den alten Erkenntnissen nicht in Newtons Regeln der Gravitation! Da musste es also noch irgendetwas anderes geben, dachten sich die Wissenschaftler, und erinnerten sich an die Theorie von dunkler Materie. Rubin war nicht die erste, die die Idee der dunklen Materie vertrat, doch war sie die erste, die jahrelang akribisch Daten sammelte, bis die Theorie dank ihrer Arbeit schließlich allgemeingültig wurde.

Und obwohl das Forschen wohl nie ein Ende nehmen kann: Die Existenz von dunkler Materie ist heute anerkannt. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 23 % der Masse und Energie im Universum dunkle Materie ist. Auf 73 % wird der Anteil der dunklen Energie geschätzt, damit bleiben dann nur noch etwa 4 % für reguläre Materie wie Sterne, Planeten und... uns Menschen.

Vera Rubin wurde als kleines Mädchen von ihrem Vater darin bestärkt, die Welt der Astronomie zu entdecken. Ihr Vater baute mit ihr ein Teleskop und nahm sie zu Treffen von Amateur-Astronomen mit.

Im College wählte Rubin Astronomie als Hauptfach. Sie wurde in der Eliteuniversität Vassar im US-Bundesstaat New York angenommen und war 1948 die einzige Absolventin dieses Hauptfaches. Im Astronomieprogramm der Princeton University hatte Rubin sich dann zwar beworben, es wurden aber nur männliche Studenten aufgenommen. Außerdem studierte sie in Cornell, einer Privatuniversität ebenfalls in New York, und in Georgetown, wo sie 1954 ihre Doktorarbeit der Physik schrieb. Nach ihrem Studium arbeitete Rubin im Carnegie Institute of Washington, einem non-profit Forschungszentrum für Naturwissenschaften.

Zu Beginn ihrer Karriere war die Astronomie ein fast ausschließlich männlich geprägtes Feld. Vera Rubin wurde schnell zur heftigen Fürsprecherin von Frauen in der Wissenschaft. Und sie hatte Erfolg: Mitte der 60er Jahre erhielt sie Zugang zum Palomar Observatorium in San Diego, das traditionell immer ein „Boys-Club“ gewesen war. Unter Astronomen war die berüchtigte Sternwarte als „das Kloster“ bekannt.

Rubin erhielt also die frohe Botschaft, doch als sie im „Kloster“ ankam, wurde ihr gesagt, dass es keine Damen-Toiletten gäbe. Also ging sie zurück in ihr Büro, schnitt einen Papierrock aus, klebte ihn an die Tür zur Herrentoilette und sagte:

Na also, jetzt gibt es eine Damen-Toilette.

Im Palomar Observatorium endeten ihre Bemühungen nicht. Vera Rubin war Mitglied einer kleinen Gruppe von Frauen, die Druck auf Washingtons exklusiven Cosmos Club ausübten, mit der Forderung, Frauen einzulassen. Die National Academy of Sciences kritisierte den Club für ihren Mangel an weiblichen Mitgliedern. Schließlich traf sie sich mit Politikern, um die Möglichkeiten für mehr Bildungschancen von Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern zu erörtern.

Für ihre wissenschaftlichen Erfolge wurde Dr. Vera Rubin mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem 1993 mit der National Medal of Sciences. Einen Nobelpreis für ihre Forschungen zur dunklen Materie erhielt sie jedoch nie.

In der Wissenschaftsgemeinschaft sehen böse Zungen die Entscheidung des Nobel Komitees als einen Ausdruck von geschlechtsspezifischer Politik. Nur zwei Frauen haben je den Physik-Nobelpreis gewonnen, in den letzten 50 Jahren überhaupt keine Frau mehr. Im Vorwort ihres Buches Bright Galaxies, Dark Matters schrieb Vera Rubin:

Wie Kolumbus, vielleicht wie die Wikinger, haben wir in eine neue Welt gespäht und mussten erkennen, dass sie mysteriöser und komplexer ist, als wir uns das je vorgestellt hatten. Noch viel mehr Rätsel des Universums bleiben versteckt. Ihre Entdeckung bleibt den abenteuerlustigen Wissenschaftlern der Zukunft überlassen. Mir gefällt das so.

 

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