Fast 50 Menschen in Sibirien durch alkoholischen Badezusatz gestorben

23-12-2016 03:47:58 Autor:   Erik Rusch Kategorien:   Gesellschaft

Nach Angaben einer dpa-Meldung sind 49 Einwohner der sibirischen Stadt Irkuts ums Leben gekommenk, nachdem sie einen alkoholhaltigen Badezusatz getrunken haben. Laut Ermittlern weist ein Etikett den Badezusatz „Bojaryschnik“ (Weißdorn) als Kosmetikprodukt aus und warnt vor dem Verzehr der Flüssigkeit. Anscheinend wurde die Warnung aber nicht ernst genommen und gezielt als Alkoholersatz eingenommen.

Der Badezusatz enthält nicht den in alkoholischen Getränken verwendeten Ethanol, sondern Methanol, der zur Vergiftung führte.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Vorfall als „schreckliche Tragödie“. Allerdings scheinen der Konsum von Ersatzalkoholen in Russland und Todesfälle in diesem Zusammenhang keine Seltenheit zu sein. Experten schätzen, dass mindestens 10 Millionen von den 143 Millionen Menschen im Land regelmäßig so genannte „Ersatzalkohole“ zu sich nehmen, die deutlich billiger als legal verkaufte Getränke sind. Dazu zählen selbstgebrannter Wodka (im Russischen „Samogon“), Parfüme oder medizinischer Spiritus.

Dass es zu so vielen Todesopfern auf einmal und in einundderselben Stadt kam, ist dennoch eine Besonderheit. Laut dpa-Meldung reagierten am Montag viele russische Medien entsetzt: „Das ist ein Alptraum, anders kann man es nicht ausdrücken“, schrieb etwa die Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“. Andere sprachen von einer „Katastrophe“, so dpa.

Laut den Nachrichtenagenturen Tass und Interfax wurden mehrere Verdächtige einer Werkstatt festgenommen, in der die Substanz ohne Genehmigung hergestellt worden sein soll.

Das Verzehren des Badezusatzes trotz Warnhinweises zeigt, wie stark das Suchtverhalten ist. Russland steht im Länderranking, was den Pro-Kopf-Konsum an Alkohol angeht, an vierter Stelle, hinter Moldawien, Tschechien und Ungarn. Im Durchschnitt leben russische Männer nur 55 Jahre. Die Preise für Wodka wurden in den letzten Jahren staatlicherseits angehoben, um den Alkoholkonsum einerseits einzuschränken und angeblich andererseits auch die Steuereinnahmen zu erhöhen. Ausländischer Alkohol ist schon seid längerem sehr hoch besteuert, sodass er für viele Menschen bereits unerschwinglich ist.

Doch dies führt nur zu einem größeren Schwarzmarkt für alkoholische Getränke. Die tatsächliche Ursache für den hohen Alkoholkonsum ist die Perspektivlosigkeit bei jungen, aber auch bei älteren Menschen. Die Abkehr vom traditionellen Wertesystem im Kommunismus einerseits und später auch die negativen Einflüsse kapitalistischer Strömungen andererseits führten zu einer weitverbreiteten materialistischen und atheistischen Haltung. Diese Haltung und die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion angespannte sozialwirtschaftliche Situation in Russland förderten den Griff zur Flasche. Die harte Realität führte viele Menschen zur Flucht in den betäubenden Alkohol.

Nach dem Zerfall des Kommunismus in Russland sind viele Menschen in ein persönliches „Loch“ gefallen, da ihr gewohntes Werte- und Lebenssystem von heute auf morgen zusammenbrach. Alte Strukturen und der alte Geist wirkten noch stark nach. Staatlicherseits wurde zudem versäumt, die Bevölkerung darin zu unterstützen, sich über die Kultur- und Bildungseinrichtungen wieder mit ihrer traditionellen Kultur zu verbinden. Dies hätte der russischen Bevölkerung erleichtert, sich wieder mit ihren traditionellen Werten zu verbinden und damit Hoffnung, Vertrauen, neue Lebensziele und Lebenssinn zu finden. 

Schauen wir nur ein Stückchen weiter, bis in die VR China, so sehen wir dort das gleiche Dilemma, nur noch etwas zugespitzter. Dort werden durch das bereits 70 Jahre andauernde, kommunistische Regime auch jetzt noch gezielt die traditionellen Wurzeln bekämpft.

In einer an die intellektuelle Schicht der Volksrepublik gerichteten Rede des neuen Parteiführers Xi Jingping waren nun neue Töne zu hören: Die traditionelle Kultur solle stärker betont werden und eine verstärkte Besinnung auf die traditionelle Kunst solle stattfinden. Es war sogar wieder die Bezeichnung „göttliche Kultur“,  die eigentlich der staatlichen Zensur unterliegt, zu vernehmen. Diese Rückbesinnung ist für China existenziell und wäre auch ein Ansatz gegen den Werteverfall bei uns in den westlichen Ländern. Es ist auch für Russland ein Weg, aus Schlagzeilen, herauszukommen, die immer wieder betroffen machen.

 

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