Glücklich sein heißt – leben ohne Angst

03-09-2016 01:08:52 Autor:   Dr. Lung Ying-Tai Kategorien:   Leben , Gesellschaft

Gelbe Smileys (Bild: Donna Cymek/Flickr)

Glücklich sein bedeutet, dass Politiker keine Angst vor einem Attentat haben und Demonstranten keine Angst vor Unterdrückung. Die Reichen haben keine Angst vor Kidnapping und die Armen haben keine Angst, dass ihnen die letzte Schüssel Essen weggenommen wird.

Die Mittelschicht hat keine Angst vor Revolution und das ganze Volk hat keine Angst, dass die Worte ihres Führers einen Krieg auslösen könnten – glücklich sein heißt leben, ohne ständig Angst zu haben. Ladenbesitzer öffnen ihre Türen morgens, ohne sich Sorgen zu machen, dass eine Staatsgewalt, Einbrecher oder hungrige Menschen sie ausrauben könnten.

Die Leute auf der Straße hängen ihren Rucksack nicht vor die Brust, um ihn zu bewachen. Die Menschen können friedlich in ihren Häusern schlafen – ohne Angst. Sie müssen nicht befürchten, dass am nächsten Morgen im Haus randaliert wird und ihre Möbel wie Müll auf der Straße verteilt werden.

 

Dr. Lung Ying-tai. (Bild: Wikipedia / CC0 1.0)

 

Was für manchen selbstverständlich ist, haben andere nie erlebt

Frauen können für ihre Babys im Drogeriemarkt Milch kaufen, ohne Angst, dass ihre Babys von der gefälschten Muttermilch-Ersatznahrung sterben. Ein alter Mann kann günstigen Likör kaufen, ohne Angst, dass der Schnaps mit Chemikalien versetzt ist, die ihn blind machen.

Grundschulkinder können zur Schule laufen, ohne Angst, entführt zu werden. Fischersleute können ihre Netze in den Fluss werfen, ohne Angst, dass im Fluss Schrott liegt, der ihre Netze zerstört und den Fluss vergiftet, sodass Fische und Garnelen in ein paar Jahren ausgestorben wären.

Die Leute können gemächlich über die Straßen schlendern, ohne Angst, dass der Mann, der sich da in Uniform nähert, sie verhaften wird. Wer verhaftet wird, wird nicht von lähmender Ohnmacht ergriffen, weil er weiß, dass seine Grundrechte von Gesetzen und Rechtsanwälten geschützt sind.

Die, die im Gefängnis sitzen, müssen keine Angst haben, von der Gesellschaft vergessen zu werden. Bürger haben keine Sorge, dass sie beim Amt erniedrigt und beschämt werden. Wähler haben keine Sorge, dass eine Wahl manipuliert wird. Glücklich sein heißt, immer wieder den gleichen, gewöhnlichen Tag zu erleben: Am Markt wird Obst angeboten, ein Huhn flattert im Käfig.

Im Blumenladen sind Narzissen ausgestellt. Die Bank und die Post haben noch offen und Du kannst Geschenkkarten und Liebesbriefe überallhin versenden. Eine Apotheke und ein Goldschmied sind gleich um die Ecke.

 

Ein mobiler Imbiss in Taiwan (Bild: Alpha via flickr / CC BY-SA 2.0)

Die Glocken an der Straßenbahn läuten, der Zug ist pünktlich zur Abfahrt bereit. Vor einem Bahnhof reihen sich Taxis auf und Ampeln springen von rot auf grün. Feuerwehrautos rasen noch durch die Stadt, um an ihr Ziel zu kommen und Müllautos drängen sich durch die engsten Alleen. Du drehst den Hahn auf, und es fließt frisches Wasser. In der Dämmerung schalten sich automatisch die Straßenlaternen an.

 

Eine alte Frau, die lächelt. (Bild: Anja Disseldorp via flickr / CC BY 2.0 )

 

Glücklich sein: Der Flughafen ist geöffnet, im Fernsehen singt jemand; Zeitungen werden gedruckt, Fremde können ins Hotel kommen und gehen und Kinder tollen im Kindergarten umher. Glücklich sein heißt, dass in einer bitterkalten Nacht die Lichter am Eingang der Krankenhaus-Notaufnahme noch hell leuchten.

Glücklich sein heißt, dass beim Abendessen noch die Jungen über ihre Schule plaudern und die Alten über ihr Gebiss. Gleichzeitig kommt aus der Küche der Geruch von gegartem Fisch und im Wohnzimmer hört man vom Fernseher den leisen Klang der Abendnachrichten.

 

Eine Aufnahme einer glücklichen Mutter mit ihrem Sohn (Bild: Brad T./ China Gaze)

 

Glücklich sein bedeutet, dass Dein Haar grau ist und Dein Rücken gebeugt und zum Lesen brauchst Du eine Lupe, aber Du kannst immer noch um die Ecke gehen und frittiertes Obst kaufen und dann nach Hause kommen, um jemand anderen aufzuwecken. Glücklich sein heißt, jemand aus der gleichen Stadt ruft Dich an und fragt: „Wir gehen jetzt zum Markt, kann ich Dir Eier und Milch mitbringen? Ist Dein Kühlschrank leer?“

Glücklich sein heißt, dass Dir morgens jemand zum Abschied winkt und Du abends nach Hause kommst und der Schulranzen steht in derselben Ecke und die Turnschuhe liegen unter demselben Stuhl – es ist die gleiche Routine an einem ganz normalen Tag.

 

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