Wie kommt die Zeitung an den Frühstückstisch?

21-08-2016 00:49:52 Autor:   Elke Rook Kategorien:   Wirtschaft

Was passiert alles, damit Du Deine Zeitung pünktlich zum Frühstück hast?

Liest Du auch gerne morgens bei einer Tasse Kaffee und einem Brötchen die Zeitung? Hast Du Dich schon einmal gefragt, wie die Zeitung pünktlich zum Frühstück in den Briefkasten kommt?

Ankunft im Regionaldepot

Letzte Woche konnte ich im Rahmen eines Projektes zur Vertriebswegeoptimierung selber den Weg einer Zeitung ein paar Tage lang miterleben und bin dazu um 00:30 Uhr in einem Auslieferungsdepot einer regionalen Tageszeitung erschienen. Vor Ort sitzen zu diesem Zeitpunkt die Zusteller noch bei einem Kaffee zusammen, besprechen Änderungen ihrer Routen und etwaige Reklamationen des Vortages und genießen noch ein bisschen die Ruhe. Kurz nach mir trafen dann aber auch schon die Spediteure ein, die die abgezählten Zeitungen aus der Druckerei ablieferten. Ihre Aufgabe war nach der pünktlichen Anlieferung und dem Abladen der Zeitungen erledigt, doch dann wurde es im Depot erst so richtig betriebsam.

Die Zusteller sortierten die Zeitungspakete den verschiedenen Touren zu und legten auch fremde Produkte wie Briefe und Wochenzeitschriften dazu. Als alles noch einmal geprüft worden war, schwärmten sie aus: Die Zeitungen wurden in die jeweiligen Lieferwagen gepackt und die Zusteller fuhren los. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa 01:30 Uhr, sodass wir noch genau viereinhalb Stunden Zeit hatten, bis die letzte Tageszeitung der Tour im Briefkasten stecken musste.

Zeitungsstapel im Depot, die auf die Sortierung warten. (Bild: Elke Rook)

 

Je nachdem, wo die Bezirke der Tour liegen, die ein Zusteller bearbeitet, gibt es nun eine mehr oder weniger lange Anfahrt zum ersten Abonnenten. In dieser Zeit konnte ich mich mit meinen jeweiligen Begleitern ein bisschen über ihre Arbeit unterhalten. Natürlich ist es anfangs schwer, sich an die Nachtschichten zu gewöhnen, doch da die Tageszeitung jeden Tag bis um sechs im Kasten stecken muss, muss man sich nicht jede Woche an eine andere Schicht gewöhnen. Schön ist es natürlich, wenn man dann nach Hause kommt und selber einen liebevoll gedeckten Frühstückstisch vorfindet und mit einem lieben Menschen oder der ganzen Familie noch ein bisschen den Morgen genießen und die mitgebrachte, druckfrische Zeitung lesen kann.

Unterschiede zwischen den Touren in der Stadt und auf dem Dorf

Es gibt Touren, die in der Stadt abzuarbeiten sind und solche, auf denen man verschiedene Dörfer abklappert. Ich habe beide Varianten erlebt und jeweils ein paar Vor- und Nachteile gesehen. Während wir jedenfalls plaudernd im warmen Auto saßen, erreichten wir schon den ersten Briefkasten. In der Stadt hieß das nun je nach Wohngebiet, dass ich sehr viele Zeitungen unter den Arm klemmen oder in einer Tasche mitnehmen musste, denn bei großen Mehrfamilienhäusern gibt es viele Eingänge mit vielen Parteien. Das direkte Heranfahren zu den Eingängen ist aber teilweise nicht möglich – schließlich muss sich auch ein Zeitungsbote an die Verkehrsregeln halten. Dann muss man im Dunkeln auch noch Hausnummern, Briefkästen und Namen finden. Wie gut, dass meine Begleiter ihre Häuser schon kannten und mir so immer sagen konnten, in welche Schlitze ich die Exemplare reinstecken sollte.

Häuserblocks in der Stadt (Bild: Pixabay)

Auf dem Dorf und in Einfamilienhaussiedlungen der Städte gibt es statt schwerer Zeitungspacken andere Herausforderungen: Man steigt für beinahe jede einzelne Zeitung aus dem Auto und auch wieder ein, fährt ein paar Meter und springt wieder heraus. Es schien mir so, als ob die Autotür nach der 200. Zeitung doppelt so schwer geworden sei! Mein Rücken meldete nach der 300. Zeitung auch, dass das ständige Drehen, sich in den Sitz fallen lassen oder wieder daraus hochstemmen nun doch langsam mal ein Ende haben könnte...

Dächermeer – auf dem Dorf und in Städten können die Straßen sehr verschlungen und unübersichtlich sein. (Bild: Pixabay)

Über kleine Spaziergänge zwischendurch war ich wirklich dankbar. Doch diese waren natürlich kein reines Ausruhen. Bei Baustellen oder anderen örtlichen Gegebenheiten war es einfacher, auch hier einen Packen Zeitungen unter den Arm zu klemmen und mit viel Papier loszugehen. Über die vom Depot geliehene Taschenlampe war ich sehr froh. Genormte Briefkästen mit großen Leuchtziffern und breiten Schlitzen sind nämlich leider ein Wunschtraum. Wuchernde Hecken und verblassende Schrift sind natürlich auch eher hinderlich bei der Suche nach dem richtigen Briefkasten.

Briefschlitz in der Tür – leider ohne Namen (Bild: Pixabay) 

Das Ende der Tour naht – doch auch die Müdigkeit kommt...

Gegen vier Uhr hatte ich an allen Tagen einen Tiefpunkt, an dem die Müdigkeit sich mit aller Macht meldete, der ich aber nicht nachgeben konnte – wir hatten ja eine Frist einzuhalten. Als wir dann kurz vor sechs tatsächlich fertig wurden, sank ich erschöpft in den Sitz zurück und ließ mich durch meinen Müdigkeitsnebel hindurch ins Depot zurückkutschieren. Ich schlief auch prompt dabei ein und war meinem Begleiter keine Hilfe dabei, selber wach zu bleiben. Während und auch noch nach der Arbeit im Stockfinsteren – teilweise wird die Straßenbeleuchtung nachts nämlich abgestellt – begrüßte ich täglich die feine Helligkeit, die sich ab ca. fünf Uhr über den Horizont zu schleichen begann. Um sechs, zurück im Depot und mit einem wärmenden Kaffeebecher in der Hand, genoss ich die Sonnenstrahlen, wohlwissend, dass ich mich daheim erst einmal für ein paar Stunden ins abgedunkelte Schlafzimmer verziehen würde.

Morgenstimmung auf dem Rückweg ins Depot. (Bild: Pixabay)

 

Zeitungszustellung ist eine harte, aber befriedigende Arbeit

Dieser Job ist nicht für jeden gemacht, und mein Respekt für die Zusteller ist noch einmal tüchtig gewachsen, nachdem ich selber die Touren mitgefahren bin. Theoretisch zu wissen, dass da jemand bei Wind und Wetter nachts aufsteht, um mir meine Zeitung bis zum Frühstück nach Hause zu bringen, und dann selber dafür zu sorgen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Zusteller sagten aber alle, dass sie diese Arbeit viel lieber verrichten, als im Schichtdienst am Fließband oder anderen Maschinen zu stehen. Man könne sich die Arbeit selber organisieren und mache nicht die ganze Zeit die gleichen Handbewegungen. Sie meinten auch, dass man eigentlich bei jeder pünktlich zugestellten Zeitung ein kleines Erfolgserlebnis habe. Wirklich schön sind auch die Momente, wenn man ein kleines Dankeschön auf der Fußmatte finde oder wenn jemand pünktlich um halb sechs am Gartenzaun stehe und seine Zeitung persönlich entgegennehme – mit einem breiten Grinsen und einem herzlichen Dankeschön auf den Lippen. 

Als Zeitungszusteller zu arbeiten ist hart, aber es ist auch eine befriedigende Arbeit. Vielleicht kannst Du Dir jetzt besser vorstellen, wie Deine Zeitung zu Dir nach Hause kommt und freust Dich morgen früh doppelt Deine Zeitung pünktlich aus Deinem Briefkasten nehmen zu können.

 

LIKE uns auFacebook, oder folge uns auf  Twitter.