Kaffeeriecher, Knochenbrecher, Schmuckeremit – 12 Berufe, die heute nicht mehr zu finden sind

30-06-2016 23:35:16 Autor:   Laila Will Kategorien:   Geschichte , Leben

Der Beruf des Böttchers oder Küfers, also eines Fassmachers, wird vielleicht auch bald ausgestorben sein. (Bild: Wikipedia)

Kaffeeriecher, Knochenbrecher, Schmuckeremit... Diese ausgestorbenen Berufe gibt es schon lange nicht mehr, aber interessant sind sie allemal und hier erfährst Du was eigentlich hinter ihnen steckt.

 

Schmuckeremit

Schmuckeremiten wurden von ihren vornehmen Herren dafür bezahlt, in deren Gärten zu leben. Eremiten waren Einsiedler, meist ältere Männer. Aus Annoncen in alten Zeitungen sind die Anforderungen an einen solchen „schmückenden Einsiedler“ bekannt: Er stellt für die Gäste eine Attraktion dar, darf jedoch mit niemanden, auch nicht mit der Dienerschaft, reden. Er soll sich weder Haare noch Fingernägel schneiden, sich im Garten aber regelmäßig den Gästen zeigen. Für ihre Dienste erhielten sie Kost und Logis sowie ein Gehalt. Die Arbeitszeit war üblicherweise auf mehrere Jahre festgesetzt.

 

Strickender Einsiedler  von Carl Spitzweg,  1865/75

 

 

Knochenbrecher

Knochenbrecher war eine ostfriesische Bezeichnung für einen alternativen Heilkundler. Er konnte Gliedmaße einrenken und Wirbel wieder richtig stellen. Oft hatte der Knochenbrecher eine Art „spirituelle Gabe“. Damit war der Knochenbrecher kein Lehrberuf, sondern wurde meist in der Familie weitergegeben. 

 

Buckelapotheker

Die Berufsbezeichnung Buckelapotheker gab es etwa vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Buckelapotheker gingen auf Wanderschaft, oft durch ganz Europa, und verkauften Naturheilmittel. Die Bezeichnung kommt davon, dass sie ein Reff auf dem Rücken trugen, eine große Holzvorrichtung, in der sie ihre Habseligkeiten aufbewahrten. Deshalb hatten sie oft einen Buckel.

 

Kaffeeriecher

Als Preußen nach dem 7-jährigen Krieg fast pleite war, musste neues Gold her. 1766 ließ Friedrich II. den französischen Steuereintreiber de la Haye de Launay ins Land rufen und beauftragte ihn mit dem Auffüllen der Schatzkammer. De la Haye de Launay holte etwa 200 Franzosen nach Preußen und baute eine Behörde auf, die unter den Berlinern als „die Regie“ bekannt wurde. Es gab Steuern auf fast alle Luxusartikeln: Tee, Tabak, Salz, Zucker, Essig, Wein und Bier... Vor allem Kaffee wurde nur noch von der „Regie“ geröstet und verkauft. In Städten außerhalb Preußens war der Kaffee jedoch viel billiger und schnell entwickelte sich ein lukrativer Schmuggel. Entgegenwirkend entstand ein neuer Beruf: Der Kaffeeriecher. Er lief durch die Straßen und schlug Alarm, wenn er irgendwo den Geruch vom frisch gerösteten Kaffee roch. Insgesamt erwies sich die Behörde trotzdem nicht als Erfolg: Ihre Ausgaben waren fast doppelt so hoch wie die Einnahmen.

 

Bild: „Die Kaffeeriecher" Nach einem Gemälde von L. Katzenstein. (Wikipedia / Public Domain)

 


Aufwecker

Früher arbeiteten die meisten Leute in der Landwirschaft. Sie standen mit der Sonne auf und gingen mit ihr wieder schlafen. Mit der Industrialisierung wurde in großen Fabriken die Schichtarbeit eingeführt. Damit alles effizient war, hatten die Arbeiter plötzlich Tag- und Nachtschichten.  Doch wie sollten sie pünktlich zur Arbeit kommen? Dafür konnte man sich einen „Aufwecker“ engagieren. Er lief durch die Straßen und klopfte mit einer langen Stange an die Fenster oder warf Steine an den Rahmen. Mit der Erfindung des Uhrweckers war der Beruf dann nicht mehr nötig.

 

Am Hahnenschrei konnte man sich jetzt nicht mehr orientieren. (Bild: Pixabay)

 

Vorkoster

Der Vorkoster arbeitete für reiche Adelige, die befürchteten irgendwo einen Feind zu haben. Er aß von der Suppe, dem Hauptgang und der Nachspeise. Erst wenn er keine Anzeichen einer Vergiftung zeigte, wurde das Essen aufgetragen. Ein riskanter Beruf.

 

Bader

Bader ist die alte Bezeichnung für den Betreiber einer Badestube. In Wirklichkeit war er jedoch viel mehr als das und verfügte auch über medizinische Kenntnisse.  Ein guter Bader kannte sich aus in den Bereichen: Badewesen, Körperpflege, Kosmetik, außerdem in Teilgebieten der sich entwickelnden Chirurgie, Zahnmedizin und Augenheilkunde. Er war kein studierter Arzt, ging aber mitunter den klerikalen Ärzten zur Hand und war in den Städten medizinischer Sprechpartner für das einfache Volk.

 

Der Bader bei der Arbeit. (Bild: Wikipedia / Public Domain)

 

Scherge

Ursprünglich war Scherge eine Bezeichnung für einen Gerichtsdiener. Die Bezeichnung wandelte sich jedoch im Laufe der Zeit. Weil der Scherge mitunter auch Folterknecht war,  heißt Scherge heute so viel wie Handlanger oder Knecht eines Schurken.

 

Wagner

Der Wagner, oder auch Stellmacher genannt, war der KFZ-Meister des Mittelalters. Er stellte Pferde- und Ochsenwagen her, und bei Pannen reparierte er sie in seiner Stellmacherei. In der DDR gab es den Beruf noch bis 1989.

 

Wagen wurden zum Transportieren von Lasten, aber auch zur einfachen Fortbewegung ständig gebraucht (Bild: Pixabay)

 

Köhler

Der Köhler stellte Holzkohle her. Dazu wurden Holzscheite in kegelförmigen Haufen angelegt. Diese Haufen nannte man Meiler. Der Köhler musste darauf achten, dass das Holz nie in Flammen aufgeht, es durfte aber auch nicht zu kalt werden. Durch Schließen und Öffnen von Luflöchern im Meiler konnte die Temperatur des Feuers reguliert werden. Köhler führten ein hartes Leben. Sie lebten meist außerhalb der Dörfer in eigenen Hütten. Schlafmangel und der ständige Rauch führten zu einer kurzen Lebenserwartung.

 

Ein nachgebauter Meiler (Bild: Pixabay)

 

 

Siechknecht

Während der Pestepedemien musste der Siechknecht die Erkrankten auf seinem Wagen einsammeln und in die Lazarette bringen. Wegen der enormen Ansteckungsgefahr wollte keiner den Beruf ausüben und so verpflichteten die Behörden schließlich kriminelle Gefangene dazu.

 

Gasriecher

Gasriecher gab es bis in die 20er Jahre. Sie mussten allein mit ihrer Nase Lecks in den unterirdischen Gasleitungen aufspüren, damit diese repariert werden konnten. Wenn irgendwo das Gas ausströmte, führte es zu starker Brand- und Explosionsgefahr.

 

Was haltet ihr von diesen Berufen und welche ausgestorbenen Jobs kennt ihr sonst noch? Schreibt uns einen Kommentar!

 

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