Neue Geheimnisse des Mechanismus von Antikythera enthüllt

24-06-2016 23:26:25 Autor:   Troy Oakes Kategorien:   Mystery , Entdeckungen , Weltall

Seit über einem Jahrhundert hat der Mechanismus von Antikythera Forscher fasziniert und verblüfft. Jetzt gab ein internationales Team von Wissenschaftlern bekannt, dass sie endlich mehr Geheimnisse von der weltweit bekannten Maschine entschlüsseln konnten.

Der Mechanismus von Antikythera wurde 1901 in einem Schiffswrack auf dem Grund des Ägäischen Meeres vor der griechischen Insel Antikythera entdeckt. Es ist ein komplexes Hightech-Relikt aus alten Zeiten, welches um circa 150 v. Chr. zum Berechnen von astronomischen Ereignissen oder himmlischen Geschehnissen benutzt wurde.

Das Gerät wurde wegen der fortschrittlichen technologischen Gestaltung als ein alter Computer bezeichnet. Durch das Entschlüsseln von ein paar Wörtern der zerfressenen Fragmente auf den Bronzezahnrädern und -tafeln war es Experten möglich, zu erkennen, dass der Mechanismus als ein astronomisches Instrument benutzt wurde. Jedoch blieben viele Inschriften verborgen.

Der Mechanismus von Antikythera wurde in 82 Stücke zerlegt, wobei manche von ihnen einen schwer zu entziffernden alten Text enthielten. Diese Inschriften waren alles andere als lesbar – bis jetzt. Nach 12 Jahren intensiver Untersuchungen und mithilfe modernster Computer-Scan-Ausrüstung war es den Wissenschaftlern möglich, ein paar Inschriften zu decodieren.

Dem Benutzer war es durch die 3.500 Zeichen, wovon manche nur 1,2 Millimeter groß waren, möglich, die exakten Zeiten einer Mond- und Sonnenfinsternis zu bestimmen. Darüber hinaus auch noch die Bewegung von Himmelskörpern – sozusagen wie ein Philosophenhandbuch für die Galaxie.

Das internationale Wissenschaftlerteam hat nur ein Viertel des Originaltextes entschlüsselt, wovon das meiste aus dem Inneren des 2.100 Jahre alten Reliktes stammt. Das Teammitglied Mike Edmunds, ein Professor im Ruhestand für Astrophysik, sagte auf einer Pressekonferenz:

Es sagt dir nicht, wie man es bedient, es sagt dir eher: 'Was du siehst, ist das und das', anstatt 'Drehe diesen Knopf und es zeigt dir etwas.'

Alexander Jones, ein Professor für History of Ancient Science der New York University und ebenfalls ein Teammitglied, sagte:

Jetzt haben wir Texte, die man wirklich in Altgriechisch lesen kann. Was wir vorher hatten, war wie etwas im Radio mit viel Rauschen.

Er erklärte weiter: „Für uns enthält es sehr viele Details, weil es aus einer Periode stammt, aus der wir nur sehr wenig über griechische Astronomie und im Grunde genommen nichts von ihrer Technologie wissen, außer dem, was wir hiervon sammeln, also sind die sehr kurzen Texte eine große Sache für uns.“

Der Mechanismus von Antikythera war ursprünglich in einem hölzernen Schrank mit dutzenden ineinandergreifenden Messing-Vorrichtungen eingeschlossen. Die entschlüsselte Sprache bestätigt, was die Archäologen bereits vermutet hatten – der Mechanismus wurde als ein Uhrwerkkalender gebaut, der die Phase des Mondes, die Position der Sonne und anderer Planeten zeigt und sogar den Zeitpunkt von Finsternissen vorhersagt. Jones fügte dem noch hinzu:

Es war kein Gerät zur Forschung, etwas, das ein Astronom für Berechnungen benutzen würde, oder sogar ein Astrologe für Voraussagen, sondern es war etwas, das man benutzen würde, um über den Kosmos und unseren Platz im Kosmos zu lehren.

Es ist wie ein Lehrbuch über Astronomie, so wie sie damals verstanden wurde, welches die Bewegungen des Himmels und der Planeten mit den Leben der antiken Griechen und ihrer Umgebung verband. Ich würde es eher als ein lehrreiches Gerät für Philosophen sehen.

Der Mechanismus von Antikythera hat eine Kurbel an der Seite und wenn diese gedreht wird, drehen sich die vorderen und hinteren Anzeigen ebenfalls. Sobald der Bediener ein Datum einstellte, zeigte der Mechanismus das astronomische Phänomen, das auftreten würde.

Der Physiker Yiannis Bitsakis erklärte, dass die NASA jetzt Details über vergangene und zukünftige Finsternisse auf ihrer Webseite veröffentlicht und dazu schreibt:

Was wir heutzutage mit Computern tun, wurde vor etwa 2.000 Jahren mit dem Mechanismus von Antikythera gemacht.

Während die Inschriften entschlüsselt wurden, tauchten weitere Fragen auf, wie zum Beispiel: Welche Farbe hat die bevorstehende Finsternis? Edmunds erklärt dies wie folgt:

„Fairerweise muss man sagen, dass wir uns nicht ganz sicher sind, wie wir das interpretieren sollen, aber es könnte auf den Gedanken zurückzuführen sein, dass die Farbe einer Finsternis eine Art Omen oder Signal war. Bestimmte Farben waren möglicherweise für das, was kommt, besser als andere Farben. Wenn das so ist und wir das korrekt interpretieren, ist dies das erste Beispiel dafür, dass der Mechanismus in mancher Hinsicht einen engeren Bezug zur Astrologie als zur Astronomie hat.“

Nichtsdestotrotz wird verstanden, dass der vorrangige Einsatzzweck des Mechanismus die Astronomie und nicht die Astrologie war. Alexander Jones versteht es so:

Die Texte waren dafür bestimmt, dem Betrachter beim Verstehen zu helfen, was die Bedeutung von all den Knöpfen und Skalen war und was sie ihm über den Kosmos erzählen, in dem sie leben… und wie dies mit ihrem Leben über die verschiedenen Zeitzyklen zusammenhängt.

Xenophon Moussas, ein Professor für Weltraumphysik sagte:

„Die wichtigste Sache ist, dass wir sehen, dass Gesetze der Physik in dem Mechanismus angewandt werden und der Beweis befindet sich in den Inschriften und den Zahlen 76, 19, 223. Diese zeigen auch den Namen des Herstellers, der uns eindeutig sagt ‚ich bin ein Pythagorer’.“

Edmunds erklärte, wie alles begann:

„Die ursprüngliche Untersuchung war dazu gedacht, uns zu zeigen, wie der Mechanismus funktioniert und dies war auch sehr erfolgreich. Was uns allerdings nicht bewusst war, war, dass die fortschrittlichen Methoden, die wir benutzten, uns auch erlauben würden, die Texte sowohl auf der Außenseite als auch im Inneren [der Maschine] viel besser als vorher lesen zu können.“

Nach dem mühsamen Lesen der einzelnen kleinen Zeichen folgerte das Team, dass der Stil des Textes (formal und detailliert) implizierte, dass der Mechanismus mehr war als ein Spielzeug eines reichen Sammlers, wie Edmunds sagte:

„Es holt es, aus meiner Sicht, aus dem Bereich der ‚Spielzeuge’ heraus; eine einflussreiche Person würde nicht so viel Geld ausgeben, um all die vielen Anweisungen [auf dieser Maschine] zu haben – es ist ernstzunehmender als ein ‚Spielzeug‘.“

Die Forscher glauben, dass das Gerät höchstwahrscheinlich auf der Insel Rhodos hergestellt wurde. Darüber hinaus soll es nicht das einzige sein. Es ist nur insofern einzigartig, weil es bislang das einzige seiner Art ist, das gefunden wurde. Das Team legt dar, dass aufgrund der kleinen Abweichungen der Inschriften mindestens zwei Personen an dem Bau beteiligt waren und möglicherweise noch weitere für die Herstellung der Zahnräder.

Edmunds sagt:

„Man kommt leicht auf den Gedanken, dass das [Gerät] wohl eher von einer kleinen Werkstatt als von einer Einzelperson gefertigt wurde.“

Es existieren über ein Dutzend Erwähnungen in der klassischen Literatur, die um 300 v. Chr. bis 500 n. Chr. entstanden, über Geräte wie den Mechanismus von Antikythera. Der Rechner konnte addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren.

Außerdem konnte er die Mondmonate und Jahre abgleichen und anzeigen, wo sich die Sonne und der Mond im jeweiligen Sternzeichen befinden. Es gäbe zwar gewisse Fehler, aber der Mechanismus gebe eine eindeutige Momentaufnahme des astronomischen Wissens der damaligen Zeit, sagte Jones und fügte hinzu:

„Wenn man in den Himmel schaute, sah man den Himmelskörper, den der Mechanismus zeigte, ungefähr an der Stelle des Mechanismus, aber es war nicht sehr genau.“

Es bleibt unklar, wieso diese Technologie verloren ging. Die mechanische Komplexität blieb für mindestens 1.000 Jahre unerreicht, bis die mittelalterlichen Uhren in europäischen Kathedralen erschienen.

Wissenschaftler sind sich alle darüber einig, dass das Schiffswrack von Antikythera immer noch das wichtigste bisher gefundene Schiffswrack in der menschlichen Geschichte ist. Jetzt wird gehofft, dass sie bei einem erneuten Besuch des Schiffswracks noch mehr Teile des Mechanismus finden, die beim ersten Besuch möglicherweise übersehen wurden, oder sogar einen weiteren ähnlichen Mechanismus.

 

 

 

 

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