Warum sind Kinder der Amish-Gemeinschaften so gesund?

17-04-2016 21:47:59 Autor:   Erik Rusch Kategorien:   Gesellschaft , Menschen , Gesundheit

Amish-Jungen (Bild: publicdomainpictures.net / gemeinfrei)

Auf den ersten Blick wirkt für so manchen vielleicht das Leben der Amish-Gemeinschaften, was die Themen Ernährung, Kindererziehung und medizinische Versorgung betrifft, sehr riskant und nicht verantwortungsvoll oder auch sonderbar und nicht zeitgemäß.

In neueren Untersuchungen war allerdings deutlich zu erkennen, dass die Gesundheit der Amish-Kinder gegenüber den Kindern der Vergleichsgruppen auffällig besser war.

Wie kann das sein, während doch alle ihre Kinder ungeimpft sind, sie rohe Milch trinken und die hochschwangeren Frauen körperliche Arbeit leisten und dabei noch engen Kontakt zu den Tieren auf ihrem landwirtschaftlichen Hof haben? Zudem essen sie nur natürliche Lebensmittel, sogar Obst und Gemüse, welches Risse, Narben und Verwachsungen aufweist - also all das, was bei uns aus den Obst- und Gemüsetheken genommen würde, weil es nicht so schön aussieht. Müssten daher die Gemeinschaften der Amish und gerade ihre Kinder nicht verstärkt unter Allergien, bakteriellen Infektionen, Asthma und anderen Erkrankungen leiden?

Dr. Brook, ein Arzt aus dem Bundesstaat Indiana in den USA, der seit 20 Jahren Amish medizinisch behandelt, zeigt in seiner Studie, dass dies gerade nicht der Fall ist. Er erfuhr von dem sogenannten „Farm effect“: Kinder in Europa, die auf landwirtschaftlichen Höfen aufwachsen, leiden weniger unter Allergien oder Asthma als Kinder aus städtischen Regionen. Das bewog ihn, eigene Untersuchungen unter den Amish anzustellen, um zu erfahren, ob sich dieser Effekt in den USA bestätigt. Dazu stellte er ein Team von deutschen Wissenschaftlern auf, die schweizer Kinder aus städtischen Regionen mit schweizer Kindern von landwirtschaftlichen Höfen sowie Amish-Kindern schweizer Abstammung in Indiana in Untersuchungen verglich.

Amish-Kinder zeigen weniger Anfälligkeiten für Asthma

Insgesamt untersuchten er und sein Team 157 Amish-Kinder, circa 3.000 schweizer Kinder von landwirtschaftlichen Höfen und fast 11.000 schweizer Kinder aus städtischen Regionen. Alle untersuchten Kinder waren zwischen 6 und 12 Jahre alt.

Die Ergebnisse zeigen, dass nur bei fünf Prozent der Amish-Kinder Asthma diagnostiziert wurde, gegenüber 6,8 Prozent bei den schweizer Kindern von landwirtschaftlichen Höfen und 11,2 Prozent bei den schweizer Kindern aus städtischen Regionen. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass nur 7 Prozent der Amish-Kinder eine ausgeprägte Anfälligkeit für Allergien zeigten, während 25 Prozent der schweizer Kindern von landwirtschaftlichen Höfen und stattliche 44 Prozent bei den schweizer Kindern aus städtischen Regionen eine Anfälligkeit zeigten.

Obwohl es für Dr. Brook in seinen Untersuchungen nicht darum ging, herauszufinden, warum Kinder von landwirtschaftlichen Höfen gesünder sind als Kinder aus städtischen Regionen, hat er sich natürlich Gedanken dazu gemacht.

„Diese Untersuchung legt nahe, dass, wenn du früh in deinem Leben oft mit allergenen Stoffen (also Stoffen, die oft allergieauslösend sind) in Berührung kommst, dein Immunsystem keine Allergien gegenüber diesen Stoffen bilden wird", sagte Holbreich. „Das betrifft Allergien gegenüber großen Tieren und zum Beispiel dem Stroh, auf dem die Tiere schlafen. Auch, was die Amish-Kinder essen, sowie die Tatsache, dass ihre Mütter während der Schwangerschaft in der Scheune sind, hat Auswirkungen auf die spätere Gesundheit der Kinder.“

Eine natürliche Lebensweise ist förderlich für einen natürlichen Gesundheitszustand

Holbreichs Studie liefert einen interessanten, aber etwas vorhersehbaren Schluss. Der Amish-Lebensstil, so unvollkommen er erscheint, bietet Kindern einen wichtigen signifikanten Vorteil. Er führt dazu, dass die Kinder in der realen Welt mit all ihren Gefahren und Herausforderungen leben. Von klein auf müssen Amish-Kinder grundlegende Lebenskompetenzen erwerben. Dazu gehört zum Beispiel, wie sie einen Garten und einen landwirtschaftlichen Hof bewirtschaften, wie man näht und strickt, was es für natürlichen Heilmittel gibt und wie man plant, baut und erhält, also Zimmerei und andere handwerkliche Arbeiten durchführt. Wie man Landwirtschaft mithilfe natürlicher traditioneller Anbaumethoden betreibt und auf diese Weise die Gemeinschaft, die Tiere und sich selbst versorgt.

Durch den Erwerb dieser grundlegenden Fähigkeiten und eine daraus resultierende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Staat entsteht eine Lebensumgebung, die förderlich für die Gesundheit ist. Die Kinder sind körperlich aktiv, auf natürliche Weise Schmutz und Dreck und den Elementen der Natur, wie Kälte, Hitze, Regen und Trockenheit ausgesetzt, was sie abhärtet. Sie ernähren sich gesund und haben wenig Kontakt zu Schadstoffen, die industriell gefertigte Produkte wie so manches Kinderspielzeug, Elektronik und industriell gefertigtes Essen enthalten. Darüber hinaus haben sie keinen Kontakt zu allopathischen Giften und sind nicht geimpft, was sie vor Kontakt mit zusätzlichen Schad- und Giftstoffen, die das Immunsystem belasten, bewahrt. Kurzum, die natürliche Lebensweise der Amish-Gemeinschaften fördert die Entwicklung eines Kindes hin zu einem gesunden Menschen.

 

Amish-Familie (Bild: flickr / CCO 2.0 Lizenz)

 

 

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