Vermisster Regimekritiker taucht wieder auf und erregt weltweit Aufsehen mit seinem 'Geständnis'

22-01-2016 19:44:02 Autor:   James Burke Kategorien:   Menschenrechte , Gesellschaft , Nachrichten

Gui Minhai ist Buchverleger. Seine Bücher sind Chinas kommunistischer Führung gegenüber äußerst kritisch. Jetzt 'gesteht' er im staatlichen Fernsehen seine 'Verbrechen'. (Bild: Hongkong Free Press via Youtube/Screenshot)

Fünf Mitarbeiter eines Hongkonger Buchladens waren verschwunden, eine Entführung durch chinesische Sicherheitsagenten wurde vielfach vermutet. Einer der Männer taucht jetzt wieder auf und erregt mit seinem 'Geständnis' in Chinas Staatsfernsehen Aufsehen, denn es sieht danach aus als sei es unter Zwang entstanden. 

Seit Monaten schweigen die chinesischen Behörden zu den augenscheinlichen Entführungen von fünf Männern aus Hongkong. Die fünf Männer betrieben in Hongkong einen beliebten Buchverlag, dessen Publikationen sich äußerst kritisch mit der Führung der Kommunistischen Partei Chinas auseinandersetzen.

Dieses Schweigen ist nun gebrochen. Einer der vermissten Männer, Gui Minhai, der zuletzt in Thailand gesehen worden war, gestand am Sonntag in Chinas staatlichem Fernsehen tränenreich seine Vergehen.

In der Sendung sagte Gui, der übrigens auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt, dass er sich freiwillig auf den Weg nach China gemacht habe, um sich den chinesischen Behörden auszuliefern. Der Grund sei sein früheres Vergehen – ein fataler Unfall mit Trunkenheit am Steuer, der vor 12 Jahren geschah. Die Staatsmedien berichteten weiterhin, Gui werde auch wegen unbestimmter anderer Verbrechen verdächtigt.

Sieh Dir hier Guis angebliches Geständnis an, das von Hong Kong Free Press online gepostet wurde:

 

Chinabeobachter, Guis Tochter sowie Menschenrechtsaktivisten lieferten bereits eine Menge Fakten, die das TV-Geständnis zweifelhaft erscheinen lassen.

Nicholas Bequelin, Regionaldirektor von Amnesty International Ost-Asien, kommentierte ungläubig das TV-Geständnis mit einigen Tweets. So schreibt er:

  • Am Ende bleibt Peking entweder diese Märchengeschichte oder „unsere Politik-Polizei kidnappte einen schwedischen Verleger in einem fremden Land.“ Die Wahl ist einfach.

  • Fassen wir einmal zusammen: Gui Minhai, von Schuld geplagt, liefert sich aus... Obwohl er dafür bereits eine Bewährungsstrafe erhalten hat. Okay.

  • In dem „Videogeständnis“ klagt Gui Minhai sich selbst an; verweigert Unterstützung vom schwedischen Konsulat; will, dass niemand nachschaut, wie er nach China zurückkam.

  • Ein ausgeklügeltes Skript und ein gekonnter Mix aus Wahrheit, Halbwahrheit und unverblümter Lüge.

  • Gelinde gesagt: Es ist schwer auszuschließen, dass diese Stellungnahme unter Zwang geschah.

Bevor der 51-jährige jetzt im TV auftauchte, war er zuletzt in dem Ferienort Pattaya an Thailands Ostküste gesehen worden. Dort besitzt er eine Eigentumswohnung, in der er im Boulevardstil kritische Bücher über Chinas kommunistische Führung schrieb. Diese veröffentlichte er dann bei Mighty Current publishing. Die Bücher sind bei Festlandchinesen die Hongkong besuchen beliebt, da sie in ihnen das lesen können, was in Festlandchina der Zensur zum Opfer fiel und verboten ist. 

Gui verschwand im Oktober. Sieh Dir dieses Video von CCTV an, in dem ein Mann zu sehen ist , der unter Verdacht steht, Gui gekidnappt zu haben:


Wie in dem Video zu sehen ist, fährt ein Fahrzeug – es gehört Gui – auf den Parkplatz seiner Eigentumswohnung. Ein Mann steht daneben, er betrachtet es aufmerksam. Der Manager der Eigentumswohnungen sagte der britischen Zeitung The Guardian, dass der Mann Chinese sei und später dabei beobachtet wurde, wie Gui zu ihm sprach und dann mit ihm in das Auto stieg und wegfuhr.

Gui wurde nicht wiedergesehen. „Zwei Wochen später kam eine Gruppe Männer, die meisten sprachen chinesisch, und durchsuchten Guis Wohnung“, sagte der Manager weiter.

In genau dem Monat, in dem Gui verschwand, verschwanden auch seine drei Kollegen von Mighty Current, während sie zu Besuch in der an Hongkong angrenzenden chinesischen Provinz Guandong waren.

Der fünfte Mitarbeiter von Mighty Current ist der 65-jährige Lee Bo, der den Buchladen des Unternehmens managte. Er verschwand am 30. Dezember aus Hongkong unter Umständen, die höchst merkwürdig sind. Bisher fehlt jede Spur von ihm.

Lees Frau erhielt mehrere merkwürdige Anrufe sowie ein Fax, das wahrscheinlich von Lee stammt. In diesem schrieb er, er sei aufs Festland [China] gefahren, um bei einigen Untersuchungen über das Verschwinden seiner Kollegen zu helfen.

Die augenscheinlichen Entführungen der fünf Männer führten in Hongkong in diesem Monat zu Protesten und auch im Ausland riefen sie Wellen der Besorgnis hervor.

Sieh Dir dieses Video von CBS Evening News über das Verschwinden der Männer und die darauf folgenden Proteste an (noch vor Guis „Geständnis“ gemacht):


 

Auszug aus dem sogenannten Geständnis:

"Ich bin ein Flüchtling, ich kann nicht in mein Land zurückkehren. Ich kann nicht zurückgehen und meine Eltern sehen. Sie sind schon fast 80 Jahre alt. 2015 bekam mein Vater Krebs und verstarb. Ich konnte nicht zurückgehen, um bei der Beerdigung dabei zu sein. Danach wurde auch meine Mutter sehr krank. Jeden Tag vermisse ich sie. Ich will... sie sehen, solange sie noch lebt. Also will ich nach China gehen, um mich auszuliefern. Ich will meine eigene Verantwortung tragen. Ich bin auch bereit, jede Strafe auf mich zu nehmen. Nach Festlandchina zurückzukehren und mich auszuliefern, war meine eigene Entscheidung und hatte nichts mit irgendjemand anderem zu tun. Ich will nicht, dass sich einzelne oder Institutionen, einschließlich Schweden, in irgendetwas einmischen, das mit meiner Rückkehr zu tun hat.

 

 

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