Hongkongs vermisste Buchhändler: Immer größer wird die Befürchtung einer Entführung aus politischen Gründen

18-01-2016 19:39:02 Autor:   James Burke Kategorien:   Nachrichten , China , Menschenrechte

Ein Bild von Lee Bo. In Hong Kong glauben viele, dass er von chinesischen Sicherheitskräften entführt wurde. (Bild: CNN via Youtube/Screenshot)

Im Fall von fünf verschwundenen Mitarbeitern aus einem Hongkonger Buchverlag häufen sich Indizien, dass es sich um eine Entführung durch chinesische Sicherheitsagenten handelt. Lies hier, was bisher bekannt ist und wie die Reaktionen lauten.

Ende letzten Jahres verschwanden fünf Mitarbeiter eines Buchladens in Hongkong. Der Laden ist spezialisiert auf Bücher im Boulevardblattstil, mit teilweise kritischem Inhalt über die Führer des kommunistischen Regimes in China. Im Rätsel um die Vermissten zeigen viele Finger in China auf Peking.

Der letzte Mitarbeiter des Mighty Current  Buchverlags, der verschwunden ist, ist Lee Boo, der Manager des Unternehmens. Zuletzt wurde er in Hongkong am 30. Dezember 2015 gesehen.

Am Tag als er verschwand, rief er seine Frau zweimal aus der Nachbarstadt Shenzhen an, berichtete die Hong Kong Free Post. Der 65-Jährige sprach davon, dass er in der nächsten Zeit nicht nach Hause käme und bei ein paar Recherchen helfe. Er sprach bei den Telefonaten mit seiner Frau auf Mandarin und nicht in seiner Muttersprache, Kantonesisch. Seine Frau berichtete, dass sie jemanden hörte, der ihn daran erinnerte, dass er bei Kooperation „milde“ behandelt werden würde.

Jüngst erhielt sie dann ein Fax von ihrem Mann, in dem er fast genau dasselbe noch einmal wiederholt, jedoch hinzufügte, dass er seinen eigenen Weg nach Festland China gefunden habe. Lee hatte seine Reisedokumente jedoch in Hongkong gelassen und es gibt auch keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, dass er Hongkong bisher verlassen hat, berichtete IBTimes.

Viele Hongkonger glauben jetzt, dass Lee und seine vermissten Kollegen von chinesischen Sicherheitskräften entführt worden sind und irgendwo auf dem Festland Chinas festgehalten werden.

Schau Dir diesen CNN Report über das Verschwinden der Hongkonger Buchhändler an:

 

 

Lee besitzt neben der chinesischen auch die  britische Staatsbürgerschaft und die Publikationen, die er über die kommunistischen Führer Chinas bei Causeway Bay Books verkaufte, waren bei Festlandchinesen beliebt, die in Hongkong Bücher lesen wollen, die in China verboten sind.

Die anderen vier Mighty Current Mitarbeiter, die vermisst werden, sind Gui Minghai und Lu Bo, beides Mitbesitzer der Buchfirma, sowie die Beschäftigten Zhang Zhiping und Lin Rongji. Beide verschwanden im Oktober 2015. Gui – ein gebürtiger Chinese mit schwedischer Staatsbürgerschaft – verschwand, während er sich in seiner Eigentumswohnung in Thailand aufhielt. Lu, Zhang und Lin wurden zuletzt in der Provinz Guandong in China gesehen, die an Hongkong grenzt.

Die Europäische Union äußerte ihre Bedenken über das Schicksal der Männer und so hieß es in einer Stellungnahme, dass eine Verletzung der persönlichen Grundrechte vorliegen würde, wenn Sicherheitsleute die Männer festgenommen hätten. Auch der britische Außenminister Philip Hammond äußerte sich zu den befürchteten Entführungen.

In Hongkong selber werden Stimmen von Aktivisten und Oppositionspolitikern laut, die sich Gedanken darüber machen, was diese Fälle für die ehemalige britische Kolonie zu bedeuten haben und wie es mit der Wahrung freiheitlicher Grundrechte durch das chinesische Regime aussieht.

Die South China Morning Post  veröffentlichte folgende Aussage des Abgeordneten Albert Ho Chun-yan (Demokratische Partei in Hongkong): „Es ist eine Frage von 'Ein Land, zwei Systeme'. Wir sprechen noch nicht einmal über den Kampf [um] Demokratie, sondern darüber, wie die Vollzugsbehörden vom Festland oder ihre Helfer Menschen zur Untersuchung illegal auf das Festland entführt haben... Die Legislative steht in der Verantwortung, den Fall zu verfolgen.“

Schau Dir in diesem Video von The Wall Street Journal an, warum die Menschen in Hongkong ihre Freiheit durch den Einfluss Pekings zunehmend schwinden sehen:

 

Ein Pro-Peking Politiker in Hongkong, Ng Leung-sing, sagte, er habe gehört, die verschwundenen Mitarbeiter hätten das Festland besucht, um Prostituierte aufzusuchen. Am nächsten Tag entschuldigte er sich dann für seine Kommentare, schrieb die New York Times (NYT).

Die neueste Idee, dass der Verleger nach Shenzhen gefahren sei und dort wegen Prostitution festgenommen wurde, ist eine altbekannte kommunistische Vertuschungs-Taktik“, schrieb Johannes Chan, der ehemalige Dekan der Rechtsfakultät an Hongkongs Hochschule, in einer Email an die NYT.

Chinabeobachter sagen, das Verschwinden der fünf Mitarbeiter sei Teil einer zunehmenden Bereitschaft der chinesischen Sicherheitsagenten, ihre Gegner im Ausland ins Visier zu nehmen.

Im Oktober 2015 wurde der noch jugendliche Sohn eines inhaftierten chinesischen Menschenrechtsanwalts in Burma entführt und nach China gebracht. Auch in Thailand gab es ähnliche Fälle.

Zusätzlich waren chinesische Sicherheitsagenten in den USA damit beschäftigt, Druck auf dortige chinesische Auswanderer auszuüben, um sie nach China zurückzubringen. Sie werden wegen sogenannter Korruptionsdelikte gesucht.

Sobald China in immer größerem Ausmaß mit der Welt interagiert, treten diese Probleme häufiger auf“, sagte Jerome A. Cohen, ein Direktor des US-Asien Rechtsinstitutes an der University New York zur NYT. „Es ist nicht nur die größere Weite chinesischen Rechts, sondern auch die größere Weite chinesischen Unrechts.“

Laut RFA sind nun über 80 Prozent von Hongkongs Verlagswesen unter Pekings Kontrolle. Die Angst vor Chinas Doktrin hat zur Folge, dass viele der noch verbleibenden unabhängigen Medien Selbstzensur betreiben.

Sieh Dir dieses Video von Agnes Chow über das Verschwinden der Buchhändler an. Sie ist Mitglied in der Studentenorganisation Scholarism Hong Kong:

 

 

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