Hashima – verlassen im Ozean

21-12-2015 18:58:45 Autor:   Laila Kategorien:   Reisen , Gesellschaft , Gesellschaft

Hashima, eine Insel im Ostchinesischen Meer, wurde vor rund 41 Jahren fluchtartig verlassen. (Bild: Youtube/ Screenshot)

Hashima ist eine kleine japanische Insel im Ostchinesischen Meer, die zeitweilig die wohl höchste Bevölkerungsdichte überhaupt hatte. Doch wo sind all diese Menschen hin? Die heutigen Ruinen laden nur noch Fotografen und Abenteuerlustige auf einen Besuch ein.

Hashima, zu deutsch die „Grenzinsel“, trägt bei den Japanern noch einen anderen Namen: „Kriegsschiff-Insel“. Bei Wind und Wetter ist das kleine Stück Erde den tosenden Wellen ausgesetzt, eine hohe Mauer sollte die Anwohner vor Taifunen schützen. Man hatte große Pläne mit dem ursprünglich nur 120 x 320 Meter großen Eiland, denn hier sollte eine japanische Musterstadt entstehen.

Verfallene Häuserfronten auf Hashima. (Bild: Juni 2013, Copyright 2015 Google, maps.google.de)

 

Bereits 1887 begann auf Hashima der Abbau von Kohle, die unter dem Niveau des Meeresspiegels, in bis zu 200 Meter Tiefe, verborgen lag. Die anfallende Erde wurde verwendet, um die Insel künstlich zu erweitern, denn Wohnraum war mehr als knapp und Arbeiter gab es hier viele. Pro Person standen einem Bergbau-Kumpel 10 m² Wohnraum zur Verfügung. Bad und Küche waren Gemeinschaftssache. Familien erhielten die doppelte Fläche. So kam es, dass Japans höchster Stahlbetonbau 1916 auf Hashima entstand, neun in den Himmel ragende Stockwerke hoch.

 

Die Häuser waren meist durch Fußgängerbrücken miteinander verbunden. (Bild: Juni 2013, Copyright 2015 Google, maps.google.de)

 

Im Zweiten Weltkrieg war die Insel ein gefürchteter Ort für Zwangsarbeit. Chinesische und koreanische Gefangene wurden nach Hashima verschifft und mussten hier Kohle abbauen. Viele Männer starben in den tiefen Schächten bei einer Arbeit, die bereits unter Normalbedingungen sehr hart ist.

Unabhängig davon wurden nach dem Krieg Bergbauleute mit gutem Lohn und hohem Lebensstandard angelockt. Ein Absurdum auf einer Kohleinsel? Scheinbar nicht, denn an der „Musterstadt“ wurde weitergetüftelt. Hausgeräte wie Kühlschrank und Fernseher gab es hier schon frühzeitig und die Infrastruktur war sehr gut ausgebaut. Geschäfte, Kino, Postamt, Krankenhaus, Kegelbahn und Tempel, alles war vorhanden. Was auf dem Boden keinen Platz mehr fand, wurde auf Dächer verlegt, wie etwa Kindergarten und Schwimmbad. Auch die Pflanzen und Kräuter, die für die Küche notwendig waren, wurden auf Dächern angebaut. Es war ein dicht zusammengedrängtes Leben auf der Insel, ohne allzu viel Privatsphäre und ohne viel Grün. Dennoch lebten zeitweilig bis zu 5.300 Menschen auf dem windumtosten kleinen Felsen. Das entspricht der wohl höchsten Bevölkerungsdichte weltweit.

 

Wohnhäuser direkt am Meer, davor die Kaimauer. (Bild: Juni 2013, Copyright 2015 Google, maps.google.de)

 

Doch mit einem Mal war alles anders. Die Bewohner packten ihre Sachen und zogen weg. Doch nicht alles wurde mitgenommen. So findet man noch heute auf der Insel Puppen und Teddybären, Geschirr und ganze Inneneinrichtungen, denn der Rücktransport war teuer und die Schiffe hatten nicht viel Platz. Es war das Jahr 1974, in dem Kohle plötzlich nicht mehr gefragt war. Japans Regierung setzte auf Erdöl. Die Arbeiter hatten nichts mehr, das sie auf der Insel hielt, und innerhalb von drei Monaten war sie menschenleer. Vereinzelte Tiere nisteten sich schnell in den verfallenen Ruinen ein.

 

Von manchen Häusern sind nur Grundmauern und eine Decke übrig geblieben, mache stehen gar nicht mehr. (Bild: Juni 2013, Copyright 2015 Google, maps.google.de)

 

Für Menschen war das Betreten lange Zeit lebensgefährlich, denn die Häuser sind einsturzgefährdet, viele sogar bereits eingestürzt. Seit es jedoch Bemühungen gibt, die Geisterinsel in das UNESCO-Weltkulturerbe aufzunehmen, wurde in befestigte Gehwege und Anlegestellen für Boote investiert. Tourismus heißt das Zauberwort. Vor allem Fotografen finden hier ein Lost Place-Paradies, denn Fotos, die hier entstehen, sind einzigartig, wenn auch zum Teil etwas schaurig. Fenstergitter ohne Scheiben, Häuser mit starker Seitenneigung – ganz wie der schiefe Turm von Pisa – und zwischendrin leere Verpackungen und verwitterte Möbel.

Wer nun auf die Insel zufährt und die Silhouette erkennt, dem fällt vielleicht wieder der Begriff ein, der bereits 1912 mal in einer japanischen Zeitung verwendet wurde, „Kriegsschiff-Insel“. Oder vielleicht freut er sich auch einfach nur auf einen Tag mit einer Abenteuer-Entdeckungstour.

 

Ein Fotograf blickt von Hashima zum Festland Japan. (Bild: Screenshot/ Youtube (Erwin Schulz))

 

 

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