Luftverschmutzung in Peking erreicht Alarmstufe Rot – Wer sind die wirklich Leidtragenden?

13-12-2015 18:46:31 Autor:   Troy Oakes Kategorien:   Wirtschaft , Umwelt , Nachrichten

Es gibt massive Defizite in der chinesischen Politik zur Bekämpfung der Luftverschmutzung und des Schutzes der Bürger vor dessen Auswirkungen. (Bild: Global Panorama via flickr / CC BY-SA 2.0)

Während chinesische Politiker an den Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Paris teilnahmen, eskalierte die Situation im eigenen Land – Peking ruft Alarmstufe Rot aus. Mit dem roten Alarm kommen Restriktionen wie das Schließen von Fabriken und Schulen, sowie die fünfzig prozentige Reduzierung der am Straßenverkehr teilnehmenden Autos.

Mehr als 20 Millionen Einwohner kämpfen seit Mittwoch mit der verschmutzten Luft.

Es ist das Erste Mal, in den zwei Jahren, in denen das farbkodierte System besteht, dass die Alarmstufe Rot wegen Smog ausgerufen wird.

Laut Bloomberg trotzten die Beamten dem Smog, der seit Dienstag die Hauptstadt bedeckt. Sie traten in Aktion, um die Bürger zu ermutigen. Pekings Bürgermeister Wang Anshun hatte einst geschworen, sich selbst zu enthaupten, falls er die Verschmutzung nicht eindämmen könnte. Nun ging er zum Tiananmen, um zu den Bürgern zu sprechen und um die Durchsetzung der Autoreduzierung auf den Pekinger Straßen zu kontrollieren, berichtet China Radio International. Der Leiter der kommunistischen Partei in Peking tätigte außerdem einen öffentlichen Besuch im Pekinger Büro für Umweltschutz.

Händlerin Zhang Jingtie erzählte der Washington Post, dass sie keine andere Wahl hätte, als sich trotz der Restriktionen draußen aufzuhalten. „Ich bleibe die meiste Zeit über draußen. Also bin ich sehr besorgt darüber, Krebs zu bekommen, falls ich weiter in so einer Luft leben muss.“

Hier ein Bericht vom Wallstreet Journal über die Alarmstufe Rot:

Mao Shoulong, ein Professor für öffentliche Verwaltung an der Renmin University of China, erzählte Bloomberg: „Die neue Alarmierung und die Untersuchungen der Beamten zeigen die Entschlossenheit der Regierung, diese Luftverschmutzung in Peking in den Griff zu bekommen. Die Beamten stehen unter großem Druck, der sowohl von den Bürgern als auch von der Regierung ausgeht. Aber dies sind präventive Maßnahmen, die die Verschmutzung langfristig nicht verbessern können.“

Doch während die Pekinger Beamten Sicherheitsmaßnahmen treffen, sind viele Städte im Norden Chinas weitaus schlimmer dran. In Anyang, Provinz Henan, wurde der Luftqualilitätsindex 999 abgelesen. Diese Zahl ist dreimal so hoch wie der aktuelle Index in Peking. Handan, Provinz Hebei, trifft es mit einem Wert von 822 nicht viel besser. Die Stadt Shijiazhuang liegt mit 460 schon näher an dem Verschmutzungsgrad von Peking.

Obwohl die Schadstoffwerte dieser Städte über denen der chinesischen Hauptstadt liegen, haben sie viel lockere Notfallpläne umgesetzt oder einfach überhaupt keinen Notfallplan in Kraft gesetzt. Während in Peking alles geschlossen wurde, lief es in den anderen Orten wo es eine hohe Luftverschmutzung gab so weiter wie an einem ganz normalen Tag. Alle Fabriken blieben in Betrieb und die Kinder gingen ganz normal zur Schule, weil sie dachten es gäbe keine Luftverschmutzung.

All dies zeigt, dass es große Mängel bei den öffentlichen Stellen bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung und der Umsetzung der Notfallpläne zum Schutz der Bürger gibt.

Die Existenz unterschiedlicher Notfallpläne und Notfallregeln, im Land, bedeutet, dass während die Bewohner in Peking einen stärkeren Schutz genießen, da umfangreichere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, gibt es Millionen von Menschen im ganzen Land, die einer noch höheren Luftverschmutzung ausgesetzt sind, ohne das irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen oder Schutzmaßnahmen getroffen werden. Es zeigt sich außerdem, dass die städischen Warntafeln zur Luftverschmutzung nicht wirklich einen Effekt auf die Minimierung der Luftverschmutzung haben, denn der Entstehungsort für die Luftverschmutzung liegt weit weg in Hebei, Henan und anderen Provinzen, wo die Kohlekraftwerke ungemindert weiter betrieben werden.

Hier ist ein Bericht von FRANCE 24 English über den allerersten Roten Alarm aufgrund von Smog:


Laut der New York Times: „Bemüht sich das zentrale Ministerium für Umweltschutz um eine größere Vereinheitlichung der Smog-Notfallpläne in den Städten, und ihre allgemeine Anerkennung und Umsetzung. Allerdings gibt es nach wie vor Widerstand, sagen Umweltschützer und Wissenschaftler.“

„Lokale Beamte sind in der Regel bemüht, die soziale Stabilität und das Wirtschaftswachstum zu fördern, und genau die selben Beamten überwachen den Betrieb von Fabriken. In Hebei, zum Beispiel, ist die Stahl-Industrie die vorherrschende Witschaftskraft, und viele Fabriken kämpfen mit einer konjunkturellen Schwächeperiode.“

Während in diesem Jahr ein neues Umweltschutzgesetz verabschiedet wurde haben gleichzeitig viele Städte alles daran gesetzt es zu umgehen. Das Gesetz verlangt, das die Städte, eine Liste über alle ansässigen Unterehmen und Fabriken aushändigen, die dafür bekannt sind die Umwelt stark zu verschmutzen.

„Jede Stadt macht was sie will,“ äußert sich Ma Jun, Direktor des Instituts für öffentliche und Umweltangelegenheiten, die eine Nicht-Regierungsorganisation darstellt und sich für mehr Transparenz in der Umweltberichterstattung einsetzt, gegenüber der New York Times. „Es ist immer noch sehr schwierig dem zu vertrauen, was die anderen bekanntgeben. Wir brauchen ein neues Maß an Transparenz, wenn wir mit einer regionalen Luftverschmutzungskontrolle arbeiten wollen.“

 

 

LIKE uns auFacebook, oder folge uns auf  Twitter.