Blinde Frau erhält Augenlicht zurück, doch was sie im Spiegel sieht, ist nicht das, was sie erwartet hat

11-12-2015 18:44:23 Autor:   Troy Oakes / Erik Rusch Kategorien:   Menschen

Wenn sie in den Spiegel schaut, dann sieht sie ein Gesicht, an das sie sich erinnert. Bei ihrem Körper ist es genauso – auch ihn erkennt sie wieder. Das einzige Problem ist nur, dass sie in ihren Gedanken ein heranwachsender Junge ist. (Bild: Hartwig HKD "Valentine Lightfulness" CCO 2.0 by Flickr)

Nach 15 Jahren Blindheit kann eine 37-jährige Frau aus Deutschland auf einmal wieder sehen. Hört sich nach einer guten Nachricht an, oder? Nun ja, in diesem Fall ist die Sache nicht ganz so einfach. Wenn sie in den Spiegel schaut, dann sieht sie ein Gesicht, an das sie sich erinnert. Bei ihrem Körper ist es genauso – auch ihn erkennt sie wieder. Das einzige Problem ist nur, dass sie in ihren Gedanken ein heranwachsender Junge ist.

In Petras (Pseudonym der Frau) Gedanken leben viele verschiedene Persönlichkeiten.

Vor 17 Jahren erlebte Petra einen traumatischen Unfall. Sie erblindete daraufhin. Die Ärzte diagnostizierten Rindenblindheit. Petra lebte ohne ihr Augenlicht weiter, doch es kam noch etwas anderes hinzu – sie litt unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung.

Während sich Petra einer Therapie wegen ihrer multiplen Persönlichkeitsstörung unterzog, erlangte sie in einer ihrer Persönlichkeiten – die eines Teenagers – ihr Sehvermögen zurück. Zuerst konnte sie nur ein einziges Wort auf einer Seite sehen, sonst nichts. Aber nach einiger Zeit und mit Hilfe ihrer Ärzte Hans Straßburger und Bruno Waldvogel begann sie wieder die Welt zu sehen, die ihr so viele Jahre verborgen blieb.

Jetzt können alle außer zwei ihrer Persönlichkeiten wieder sehen, was über Jahre hinweg unmöglich war.

Ihre Ärzte, Straßburger und Waldvogel, schrieben über ihren Fall im PsyChJournal, dass es ähnlich sei wie bei einem Lichtschalter. „Wann auch immer sie zu einer ihrer anderen Persönlichkeiten wechselte, die noch immer unter der Rindenblindheit litten, wurde alles schwarz.“

Die Ärzte verwendeten Licht, Laser und sogar spezielle Brillen, während Petra in einer ihrer blinden Persönlichkeiten steckte. Die Doktoren erklärten, dass es „überhaupt keine Reaktion auf Bewegungen oder Licht in ihrem Blickfeld“ gegeben hat. Nach einer Reihe von Sehtests wurde festgestellt, dass sie noch immer blind ist.

 

Ihre Ärzte sind der Meinung, dass der Grund für die Blindheit nicht auf eine Gehirnverletzung nach ihrem traumatischen Unfall zurückzuführen ist, sondern dass die Ursache viel tiefer in ihrer Psyche verborgen liegt.

(Image: geralt via Pixabay /public domain.)

Um sicherzustellen, dass sie in manchen Persönlichkeiten wirklich blind ist, wurde ein Lügendetektortest sowie eine EEG-Messung ihrer Gedankenwellen durchgeführt. Die Untersuchungen zeigten keinerlei Spuren davon, dass sie lügt, bestätigten aber, dass Petra in einigen ihrer Persönlichkeiten zu 100% blind ist, während sie in anderen sehen kann.

Ihre Ärzte sind der Meinung, dass der Grund für die Blindheit nicht auf eine Gehirnverletzung nach ihrem traumatischen Unfall zurückzuführen ist, sondern dass die Ursache viel tiefer in ihrer Psyche verborgen liegt.

In einem Schreiben sagen ihre Ärzte aus, dass Petra vielen tief greifenden Traumen unterlegen habe, die mit dem damaligen Unfall zusammenhingen. Dadurch hätte sich Petra in sich selbst zurückgezogen, was zur Blindheit geführt habe. Es käme vom „nicht sehen wollen“, dass sie erblindet sei.

Petras Fall war der Anlass für viele Studien über multiple Persönlichkeitsstörungen und was unser Gehirn alles tut, um uns um jeden Preis zu schützen. Das Gehirn ist faszinierend. Dieser Fall zeigt aber, was passieren kann, wenn das eigene Bewusstsein sich „zurückzieht“ und das Gehirn nicht mehr bewusst steuert. Dann kann es sein, dass etwas anderes die Kontrolle übernimmt und so reagiert, wie es denkt, dass es gut sei.

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