Ein geheimnisvolles Brettspiel – 1.500 Jahre alt – aus China

30-11-2015 18:27:29 Autor:   Troy Oakes Kategorien:   Entdeckungen , Traditionelle Kultur

Archäologen denken, dass dieser 14-seitige Würfel für das Spiel "Liubo" benutzt wurde, das vor 1.500 Jahren gespielt wurde. (Bild: Chinese Cultural Relics)

In einem 2.300 Jahre alten Grab in der Nähe der Stadt Qingzhou in China, fanden Archäologen Teile eines Spielbretts, auf dem seit 1.500 Jahren nicht mehr gespielt wurde. In dem Grab, das massiv durch Grabräuber geplündert wurde, fand man in einem Schacht, der zum Grab führt, ein Skelett, welches vermutlich von einem Grabräuber stammt.

 

Der 14-seitige Spielwürfel – hergestellt aus dem Zahn eines Tieres – ist mit Zahlen von eins bis sechs in einem historischen chinesischen Schreibstil beschriftet, der unter dem Namen "Siegel-Schrift" bekannt ist. Die Forscher stellten fest, dass jede Zahl zweimal auf dem Würfel vorhanden war, wobei die übrigen zwei Felder freigelassen worden sind.

 

Die 'Siegel-Schrift' war besonders gebräuchlich zwischen 500 v.Chr. bis 200 v.Chr. und besitzt mehrere Varianten. Um 221 v.Chr.vereinigte sich die Qin-Dynastie China, genauso wie sie, begannen sie, die Schreibstile und Größen- und Gewichtsmaße zu vereinheitlichen. Dies ist ein Beispiel für die "Standardisierte Schreibweise", eingraviert in einem genormten Eisengewicht, das zum Wiegen genutzt wurde (zu 221 v.Chr.). (Bild: Wikimedia Commons/public domain)

 

Archäologen fanden eine zerbrochene Fliese und vermuteten, dass sie ein Teil vom Spielbrett war. Nach der Restaurierung der Fliese fand man eine Zeichnung auf ihr. Sie war "dekoriert mit Augen, die von einem Muster aus Wolken und Donner eingerahmt waren." Und zwanzig rechtwinklige Spielsteine mit aufgemalten Zahlen versehen, wurden ebenfalls gefunden, berichtete ein Artikel in der Fachzeitschrift Chinese Cultural Relics.

 

Das Spiel

Die Forscher glaubten, das die gefundenen Artefakte alle zu dem verloren gegangenem  Brettspiel "liubo", auch genannt "bo", einem geheimnisvollem Spiel gehörten, von dem man nicht genau weiß, wie es damals gespielt worden ist. Allerdings gibt es ein altes chinesisches Gedicht, das vor 2.200 Jahren von Song Yu verfasst wurde und in der Zeitschrift Scientific American erschienen ist, wo auch von dem Spiel berichtet wurde.

"Dann mit dem Bambus-Spielwürfel und den Elfenbein-Spielsteinen beginnt das Spiel "liubo"; die Seiten werden gewählt; man unterstützt sich einander; man bekämpft sich einander. Spielsteine werden umgewandelt in Könige, und der Spielstand damit verdoppelt. Rufe wie "Fünf weiß!" sind zu hören." So zitiert im 2.200 Jahre altem Gedicht von Song Yu.

 

Figuren aus Stein spielen "liubo" während der Han-Dynastie. (Bild: sailko via Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0)
Das Metropolitan Museum of Art schreibt, dass "liubo" ein beliebtes Spiel im historischen China während der Han-Dynastie war. Es war das beliebteste Spiel am kaiserlichen Hof und in gemeinschaftlichen Kreisen. Das Spiel besitzt viel Spielmaterial, zu dem Würfel, Schachfiguren, ein Spielbrett und sogar Schnitzmesser gehörten, so berichtete die Ancient origins.
Obwohl nicht genau bekannt ist, wie das Spiel im Detail gespielt wurde, konnte durch Untersuchungen des Spielbretts, des Spielzubehörs und alten Zeichnungen, auf denen Menschen die gerade "liubo" spielten und abgebildet waren, gewisse Grundstrukturen des Spiels herausgefunden werden. Man vermutet heute, dass jeder der Spieler sechs Spielsteine oder -figuren verteilt auf dem Spielbrett bewegten, und die Art der Bewegung abhängig war von hölzernen Stäben oder Würfeln, die mit zum Spiel gehörten.

 

Ein Ausschnitt einer Wandbemalung aus einem östlichen Han-Grab bei Zhucun 朱村, Luoyang 洛陽, Henan Provinz. Zwei Personen spielen im Vordergrund auf einer Spielmatte "Liubo", während das Spielbrett neben ihnen, am Rand der Spielmatte liegt. Die roten Objekte in der Nähe des Spielbretts stellten vermutlich rot lackierte Weinschalen dar. Der Spieler rechts ist gerade an der Reihe. Er hebt die rechte Hand, um sechs Wurfhölzer auf den Boden zu werfen. (Bild: Wikimedia Commons/public domain)

 

Auf MetMuseum.org wird berichtet: “Der Historiker Sima Qian (ca. 145-86 v.Chr.) erzählte eine Legende aus der Zeit der Shang-Dynastie (1600-1100 v.Chr.), nach dem der Kaiser seine "Gegenspieler" beim Spielen von "liubo" anwies, Spielfiguren zu verwenden, die dem Aussehen von Gottheiten nachempfunden waren. Seine Gegenspieler wagten nicht, ihn im Spiel zu bezwingen und ließen den Kaiser siegen, der daraufhin erklärte, dass er selbst Gottheiten bei dem Spiel besiegt hätte.

 

Das Grab

Das Grab besitzt zwei große Rampen, die zu  einer Treppe führen, über diese Treppe gelangte man dann in die Grabkammer. Dort befinden sich fünf Gruben, die die Grabbeigaben enthielten und sich neben dem eigentlichem Grab befinden. Die Grabanlage ist 100 Meter lang und war ursprünglich von einem Grabhügel bedeckt. Als das Grab angelegt wurde, war China in mehrere kleinere Reiche aufgeteilt, die miteinander kämpften.

 

Eine Panorama-Ansicht auf das 2.300 Jahre alte Grab (in nördlicher Ausrichtung), mit seinen zwei angelegten Rampen, die in die stark geplünderte Grabkammer führt. (Bild: Chinese Cultural Relics)

 

Die Archäologen vermuten, dass das Grab zur Beerdigung von Aristokraten des Reiches Qi angelegt wurde. Das Reich der Qi war ein alter Staat, den der erste chinesischen Kaiser um 221 v.Chr. erobert hatte.

“Die Grabkammer wurde komplett ausgeplündert und dabei stark beschädigt."

Die Grabräuber legten 26 Schächte an, die zum Grab führten. In einem dieser Schächte wurde "ein zusammengekauertes Skelett, vermutlich von einem der Grabräuber" gefunden,  so berichteten die Archäologen. Allerdings merkten sie an, dass sie nicht wissen, in welchem Zeitraum diese Person starb.

 

 

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