Im Namen der Wissenschaft: Forscher töten extrem seltenen Vogel

07-10-2015 17:10:19 Autor:   Troy Oakes Kategorien:   Gesellschaft , Umwelt

Das erste je geschossene Foto, das ein männliches Exemplar des „Schnurrbärtigen Eisvogels“ zeigt. Direkt nach der Aufnahme des Bildes wurde der Vogel getötet. (Bild: R.Moyle, M.Janda, S.Galokale)

Der Schnurrbärtige Eisvogel gehört zu den wohl am schwierigsten zu erfassenden Vogelarten der Welt, da er ein Vogel ist, der sofort flüchtet, sollte er irgendetwas Ungewöhnliches wahrnehmen. Als es Forschern endlich gelang, ein männliches Exemplar zu fangen, so sollte man meinen, war dies ein großer Tag für Mensch und Tier gleichermaßen. Weit gefehlt - denn kurz darauf starb der Vogel im Namen der Wissenschaft.

Fotografiert wurde der Schnurrbärtige Eisvogel (Actenoides bougainvillei excelsus) in den Hochebenen von Guadalcanal auf den Salomonen. In der Wildnis wurde der höchst seltene Vogel seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet und Fotos gab es bisher keine von ihm.

Nun jedoch wurden Fotos durch das amerikanische Naturkundemuesum AMNH veröffentlicht, einem der größten Naturkundemuseen der Welt. Sie zeigen: Der Schnurrbärtige Eisvogel ist mit seinem schillernden Blauton und den lebhaften runden Augen einfach außergewöhnlich anzusehen.

 

 

 

Geister finden“. Unter diesem Titel erklärt Chris Filardi, der Direktor des „Pazifischen Programms“ vom Zentrum für Artenvielfalt und Konservirung am AMNH, dass er seit über 20 Jahren nach dem äußerst seltenen Vogel suchen musste, bis er ihn vor die Linse bekam.

Ein einzelnes weibliches Exemplar des Schnurrbärtigen Eisvogels wurde erstmals in den 1920er Jahren entdeckt, bis dahin ahnten Forscher nichts von der Existenz der blauschimmernden Tiere. In den 1950er Jahren dann zeigten lokale Jäger, Sammlern zwei weitere weibliche Tiere, doch ein männliches Tier wurde nie zuvor gefunden.

 

Die Entscheidung, den Vogel nicht nur zu fotografieren, sondern zu töten, rief Kritik wegen der „nutzlosen Tötung eines seltenen Tieres“ hervor. (Bild: R. Moyle, M. Janda, S. Galokale)

 

Filardi schrieb: „Unser Tonmann Frank Lambert hat den Vogel als erster entdeckt und mich gerufen. Da, in einiger Entfernung, Schwanz aufgeplustert, in Alarmbereitschaft, in kräftigen Farben, war er, saß er, der Schnurrbärtige Eisvogel. Dann, wie ein Geist, war er verschwunden.“

Weiter erklärte Fillardi, dass sie Netze aufstellen mussten, in der Hoffnung, den Vogel so fangen zu können. Dies gelang auch: „Einer der seltensten Vögel der Welt war da, genau vor mir, wie eine Kreatur aus Legenden, die zum Leben erweckt wurde.“

 

„Einer der seltensten Vögel der Welt war da, genau vor mir, wie eine Kreatur aus Legenden, die zum Leben erweckt wurde.“ (Bild: R. Moyle, M. Janda, S. Galokale)

 

Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN), hat den Schnurrbärtigen Eisvogel auf ihre Rote Liste bedrohter Arten gesetzt. Die Population des prächtigen Vogels liegt laut Schätzungen zwischen 250 und 1000 Tieren, doch wegen seines scheuen Charakters, gibt es kaum eine Möglichkeit die Zahlen zu bestätigen.

Paul Sweet, Collection Manager der Abteilung für Vogelkunde am AMNH verkündete der "Audobon" gegenüber: „[...] der Vogel wurde eingeschläfert und das Exemplar gesammelt.“

„[Sie haben] den Zustand der Population und des Lebensraumes mit dem Ergebnis abgeschätzt, dass er umfangreich und gesund genug ist, sodass der Erfolg der Spezie durch die Entnahme eines Exemplars, des einzigen je [...] entdeckten männlichen Exemplars, nicht gefährdet ist“, so Paul Sweet vom AMNH.

Laut "The Dodo": "'The Dodo' hat zusammen mit Dr. Filardi bestätigt, dass der Vogel als eine Spezie für weitere Studien zusätzlich gesammelt wurde."

„Die Entscheidung, dass der seltene Vogel nicht nur fotografiert, sondern getötet wird, führte zu harscher Kritik.“

Marc Bekoff, Professor für Ökologie und evolutionäre Biologie an der Universität Colorado (jetzt im Ruhestand) kommentierte wie folgt:

„Töten im Namen der Artenerhaltung, im Namen der Bildung oder was auch immer muss ganz einfach aufhören.“

Bekoff fügte hinzu: „Es ist falsch und es setzt ein furchtbares Beispiel für die zukünftige Forschung, sowie für Kinder. Stellen Sie sich vor, was ein Jugendlicher denken muss, wenn er oder sie so etwas hört wie: 'Ich bin gerade auf einen seltenen und wunderschönen Vogel gestoßen... und ich habe ihn getötet.'“

 

 

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