Die einzigartige chinesische Schauspielerin Anna May Wong in Hollywood

21-08-2015 16:02:22 Autor:   Jessica Kneipp Kategorien:   TV & Kino , Gesellschaft

ANNA MAY WONG: IN HER OWN WORDS | Women Make Movies (Bild: Screenshot Youtube)

Anna May Wong war die erste asiatisch-amerikanische Schauspielerin der Geschichte. Durch jahrelange harte Arbeit gelang es ihr das Denken der Menschen in der Hinsicht zu verändern, dass Chinesinnen mehr sind als „Drachenladies“ oder „zahme Püppchen“- jene zweidimensionalen Charaktere, die im Hollywood der 1920er bis 60er in den Drehbüchern vorwiegend auftauchten und auf der Leinwand zu sehen waren.

Anna May Wong. (Bild: Atelier Gudenberg)

Wong wurde nicht nur ein Star in Hollywood, sondern war auch in Großbritannien und Deutschland in mehreren Hauptrollen in verschiedenen Filmen und Theaterstücken zu sehen. Die Texte in den Filmen sprach sie dabei nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch und Französisch.

In jedem ihrer 55 Filme spielte sie ihre Rolle mit Grazie, Tiefe und einen Sinn für Feinheiten, egal wie einschränkend stereotypisch die Rollen zum Teil auch waren. Das ist es, was ich am meisten an ihr bewundere.

Anna May Wong wurde am 3. Januar 1905 als Kind chinesisch-amerikanischer Eltern in den USA geboren. Ihr Großvater immigrierte noch vor dem Inkrafttreten des „Gesetztes zum Ausschluss der Chinesen“ in die USA, um in den kalifornischen Goldmienen zu arbeiten. Ihr Geburtsname war Wong Liu Tsong, übersetzt „Gelber Weidenfrost.“ Doch schon im Alter von elf Jahren änderte sie ihn zu Anna May Wong - einem mehr amerikanisch klingenden Namen.

Die junge Anna May Wong. (Bild: Screenshot/YouTube)

In vielerlei Hinsicht hören wir eine Menge über Rassismus, unter dem Anna May Wong in ihrer Kindheit zu leiden hatte. Eine der Geschichten, an die ich mich erinnere, ist, dass ein Junge in Annas Schule sie immer wieder mit Nadeln stach, woraufhin sie begann, täglich dickere Kleidung zu tragen. Schließlich wechselten sie und ihre Schwester auf eine chinesische Schule. Wong erzählte später, dass dies „eine Narbe auf meinem Herzen hinterließ.“

Sie wuchs in Los Angeles auf, wo sie schon in jungem Alter die Schule schwänzte um ihr Geld, das eigentlich für das Mittagessen gedacht war, fürs Kino auszugeben. Ihr Vater war über ihr starkes Interesse am Film nicht erfreut und fürchtete, es würde ihren Schulnoten schaden, doch auch das konnte sie nicht aufhalten.

Anna May Wong, die Wegbereiterin für nachfolgende Generationen von chinesichen Schauspielern. (Bild: Screenshot/ YouTube)

Als die „US-Motion-Picture-Production“ von der Ostküste nach Los Angeles umzog, verstärkte dies nur noch Wongs Faszination am Film, denn nun konnte sie gespannt der Crew beim Drehen in China Town, nahe ihres Zuhauses zusehen. Als sie neun Jahre alt war, gab man ihr den Spitznamen C.C.C. (Curious Chinese Child oder merkwürdiges chinesisches Kind), da sie unentwegt die Filmmacher anbettelte, ihr Rollen zu geben.

Als sie 14 war, bekam sie ihre erste Nebenrolle in „The Red Lantern“ (1919), ohne dass ihr Vater davon wusste. In den folgenden zwei Jahren arbeitete sie hart und bekam einige Nebenrollen, bis sie an Chorea erkrankte. Dadurch konnte sie mehrere Monate lang nicht zur Schule gehen und stand emotional vor einem Zusammenbruch. Erst als ihr Vater sie einem Arzt der chinesischen Medizin vorstellte, konnte ihr geholfen werden und es ging ihr besser. Anna Wong wird eine starke Verbindung zum Konfuzianismus und zum Teil auch zum Taoismus nachgesagt und die Lehren von Laotse sollen sie das ganze Leben lang begleitet haben.

Anna May Wong als Lotusblume in „The Toll Of The Sea“ (Bild: Wikimedia Commons)

Es war schwierig für Wong Schauspielerei und Schularbeiten unter einen Hut zu bekommen. Deshalb brach sie 1921 die Schule ab, um eine Vollzeit-Karriere als Schauspielerin anzustreben. Wong sagte 1931 zum „Motion Picture Magazine“: „Ich war so jung, als ich begann, dass ich wusste, ich würde immer noch ein junges Mädchen sein, falls ich es nicht schaffen würde. Also beschloss ich, mir zehn Jahre zu geben, um als Schauspielerin erfolgreich zu werden.“

Anna May Wong (Bild: Screenshot/YouTube)

 Der Durchbruch gelang ihr im Alter von 17 Jahren, als sie eine Hauptrolle in dem Film „The Toll Of The Sea“ (1922) erhielt. Wong war die erste asiatische Schauspielerin, die Top-Kritiken in einem Hollywoodfilm bekam. Wong stellte eine exotische Figur dar, die ihr Leben für die Liebe zu einem westlichen Mann opferte. Die New York Times schrieb über ihre Darstellung: „ Miss Wong weckt im Zuschauer alle Sympathie, die ihre Rolle verlangt und stößt einen dabei niemals mit einem Überschuss an theatralischem ‚Gefühl' ab. Sie hat eine schwierige Rolle, eine Rolle, die in neun von zehn Fällen vermasselt wird. Sie jedoch gehört zu diesem ‚zehnten Fall'... Die Kamera für sich völlig ‚ausblendend', mit einem feinen Sinn für Proportionen und erstaunlicher pantomimischer Akkuratheit… Sie sollte wieder und häufig in Filmen zu sehen sein.“

Anna May Wong mit Stolz auf ihr chinesisches Erbe. (Bild: Screenshot/ YouTube)

 

Trotz ihrer hervorragenden Kritiken gab es nicht viele Hauptrollen für chinesische Frauen.

 Wong spielte also weiterhin Nebenrollen und stellte darin oft die „exotische Frau“ dar. Das Gesetz verbot es ihr, nicht-asiatische Männer im Film zu küssen. 1924 spielte sie einen Eskimo in „The Alaskan“, Tiger Lily in „Peter Pan“ und eine mongolische Sklavin in „The Thief Of Bagdad“. Diese Art von Typisierung begleitete sie bedauerlicherweise bis zum Ende ihrer Karriere.

1928 führte ihre berufliche Laufbahn sie nach Europa. Für Film und Theater arbeitete sie in Großbritannien und Deutschland. Einen Journalisten ließ sie von ihrer Frustration über die amerikanischen Medien wissen: „Ich hatte die Rollen, die ich spielen sollte, so satt. Warum ist der Filmchinese immer der Schurke?“

Anna Wong in „The Daughter Of The Dragon“ (Bild: Screenshot/ Youtube)

 Deutschland jedoch liebte Anna May Wong und niemand sah sie hier als Amerikanerin an. Sie wurde als Chinesin gefeiert und angesehen. Sie wurde eine gute Freundin von Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl und spielte 1932 zusammen mit Marlene Dietrich im Film „Shanghai Express“. Manche sagen sogar, sie habe Dietrich in ihrer Rolle übertroffen, aber ich denke, beide zusammen zeigen sie eine fantastische Präsenz im Film.

Anna May Wong mit ihrer guten Freundin Marlene Dietrich in „Shanghai Express“ (Bild: Screenshot/ YouTube)

„Picadilly“ war der letzte Film, den sie in London drehte und die Hauptrolle spielte. Doch wieder war es ihr wegen des damaligen „Hays Codes“ nicht möglich, ihre große Filmliebe vor der Kamera zu küssen, da er nicht asiatischer Abstammung war.

Anna May Wong kehrte nach Hollywood zurück, um dem westlichen Publikum zu verdeutlichen, dass Chinesen ganz normale Menschen sind und um über ihre Diskriminierungserfahrungen öffentlich zu sprechen.

Anna May Wong erhielt nicht die chinesische Hauptrolle von O'Lan in „The Good Earth“, die Rolle wurde an die deutsche Schauspielerin Luise Rainer vergeben. Wong wurde in dem Film die Rolle des hinterlistigen Mädchens angeboten, das hilft, die Familie zu zerstören und den ältesten Sohn verführt. Wong lehnte mit den Worten ab: „Wenn ihr mich O'Lan spielen lasst, werde ich sehr froh sein. Aber Sie bitten mich - mit chinesischem Blut - die einzige unsympathische Rolle in einem Film zu übernehmen, der ansonst durchweg amerikanisch besetzt ist und dabei chinesische Charaktere darstellt.“

Die Weigerung, Anna Wongs für die Rolle in Frage kommen zu lassen, ist als einer der berüchtigsten Fälle von Casting-Diskriminierung in den 1930ern in die Geschichte eingegangen.

Anna Wong wurde als die weltweit bestgekleidete Frau ihrer Zeit aufgefasst. (Bild: Screenshot/ YouTube)

Kurze Zeit später fuhr Anna May Wong zum ersten Mal in ihrem Leben nach China, um ihren Vater zu besuchen, der nach dem Tod ihrer Mutter wieder nach China gezogen war. Anna May Wong sagte über ihre Reise: „Obwohl ich an vielen, vielen Plätzen auf der Welt gewesen bin, ist diese erste und einzige Reise nach China die Bedeutungsvollste.“

In den 40ern war sie in „Lady from Chunking“ sowie „Bombs over Burma“ zu sehen. Ihre komplette Gage aus den beiden Filme stiftete sie an United China Relief. Außerdem finanzierte sie die Ausbildung all ihrer Geschwister.

Im Alter von 56 Jahren starb Anna May Wong an einem Herzinfarkt.

Als sie nach ihrer Idee des Glücks gefragt wurde, antwortete sie: „Eine einsame Insel voller Bücher. Keine materiellen Dinge - aber Weisheit.“

 

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