Versucht der Gentechnik-Gigant Monsanto die Steuern in den USA zu umgehen?

18-06-2015 14:30:42 Autor:   Hermann Rohr Kategorien:   Nachrichten , Wirtschaft

„Öffentliche Überprüfung“ des Monsanto-Werkes in Enkhuizen, in den Niederlanden. (Bild: Blisset/Wikimedia)

Monsanto, einer der weltweit führenden Agrarchemie-Konzerne und Saatgut-Produzenten, plant einen Umzug nach Europa und zwar in das Vereinigte Königreich. Einerseits, weil sich Monsanto einen Zusammenschluss mit dem Schweizer Konkurrenten Syngenta erhofft und andererseits, um von der niedrigen britischen Körperschaftssteuer zu profitieren. Kritiker bezeichnen diesen Umzug Monsantos als „ein Vorhaben, um die Steuern in den USA zu umgehen.“

Der US-Konzern plant eine sogenannte „Unternehmensinversion", auch bekannt als „Steuerinversion", wobei das Unternehmen als eine neue Firma im Vereinigten Königreich registriert wird. Monsanto ist weltweit für seine gentechnisch veränderten Organismen im Bereich der Agrarerzeugnisse und Saatgüter bekannt.

Laut der britischen Zeitung „The Guardian“ schrieb Monsantos Geschäftsführer Hugh Grant: „Ein neuer Mutterkonzern, ansässig im Vereinigten Königreich, würde demonstrieren, dass unser Zusammenschluss ein neues Weltunternehmen hervorbringen würde […], versorgt mit zusätzlichen Synergien. Wir würden zudem einen neuen Namen für das zusammengeschlossene Unternehmen vorschlagen […].“

Allerdings wies Syngenta Monsantos Angebot in der Höhe von 45 Milliarden US-Dollar erst vor Kurzem ab. Das Schweizer Unternehmen sagte, dass das Angebot „den gleichen unangebrachten Preis, die gleichen unangebrachten regulatorischen Verpflichtungen und regualtorische Risiken“ beinhalte.

In der Vergangenheit wurde Monsanto in Europa auf den Prüfstand gestellt, nachdem in acht nationalen Regierungen der Europäischen Union Monsantos Genmais MON810 und andere gentechnisch modifizierte Kulturpflanzen verboten wurden. Nach Aussage anderer Medien, welche Koen Roovers zitierten, einen EU Berater der ALTER-EU (Alliance for Lobbying Transparency and Ethics Regulation, deutsch: Die Allianz für Lobby-Transparenz und ethische Regulation), strebt Monsanto danach, seine Macht innerhalb der EU über ein Büro in Brüssel auszuüben. Dort soll Monsanto versuchen, öffentliche Entscheidungsprozesse zu beeinflussen, um den Profit des Unternehmens zu steigern. 

Genveränderter Mais der Marke MON810. (Bild: Hanno Boeck/Wikimedia)

Erst vor Kurzem geriet Monsanto in den Vereinigten Staaten unter Beschuss, als US-Senator Dick Durban dem Gentechnik-Giganten den Versuch an Steuerhinterziehung vorwarf.

„Es ist klar, dass Monsanto – ein Unternehmen, das seinen Erfolg auch großteils durch Projekte schöpfte, die von US-Steuerzahler finanziert wurden – Kooperationen in Übersee anstrebt […], um keine Steuern in den USA zahlen zu müssen."

Eine große Summe an öffentlichen Geldern wird den USA durch Monsantos „Steuerumgehung“ verloren gehen.

„Hunderte Millionen Dollar, welche in Infrastruktur, Bildung und Forschung investiert werden könnten […], wären verloren, wenn Monsanto sein Vorhaben einer Unternehmensinversion in die Tat umsetzt."

Monsantos Führungskräfte treffen sich bald wiedermal mit den Investoren und Aktionären von Syngenta in Europa, um eventuell Unterstützung für ein weiteres Angebot zum Zusammenschluss zu erhalten.

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